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13. Dezember 2007

Endlich Neuland gesichtet

Endlich komme ich dazu, über jenes Neuland zu berichten, das brandeins-wissen Anfang Oktober mit seinem gleichnamigen Magazin betreten hat. Das Magazinkonzept der Corporate-Publishing-Tochter von brandeins ist so einfach wie genial: Man nehme sich eine x-beliebige Region Deutschlands und schreibe Geschichten über dort ansässige Unternehmen, spannend Menschen und was einem sonst noch so über den Weg läuft.

In der ersten Ausgabe ging die Redaktion in der Südpfalz vor Anker. Hört sich erstmal wenig spektakulär an. Aber wenn man sich das Magazin zu Gemüte führt, fühlt man sich mit jeder Seite mehr wie ein moderner Marco Polo. Na ja, so in klein halt. Oder wussten Sie, dass es ein Südpfälzer war, der den Tonziegel erfand? Oder, dass das südpfälzische Bornheim seit über 130 Jahren eine Baumarktkette beheimatet, nach deren Auffassung es „immer was zu tun gibt“? Aha-Effekte dieser Art bietet das über 200 Seiten starke Magazin zu hauf. Neuland inmitten unserer Heimat sozusagen. Eine dramaturgisch gute Idee die, zumindest in der ersten Ausgabe, bis zum Ende durchgehalten wurde. Hoffentlich funktioniert dieses Wundertüten- konzept auch in den kommenden Ausgaben. Die nächste ist für Ende Februar 2008 angekündigt.

Zur handwerklichen Umsetzung gibt's recht wenig kritisches zu sagen. Das Magazin kommt im Chassis der brandeins daher. Auch das grafische und typografische Konzept sind sehr nahe am Style von Muttern. Erwähnenswert ist vielleicht der Rausschmeißer auf der letzten Seite (siehe Bild unten). Hier schreibt eine prominente Person mit Regionalbezug eine Hommage in Telegrammform. Außerdem gibt es auf der U3 einen Ausklapper mit drei Postkartenmotiven der „entdeckten“ Region. Nett. Schön zu sehen ist auch, dass das regionale Vermarktungskonzept aufgeht. Landkreise sind als Anzeigenkunden ebenso im Heft vertreten wie ortsansässige Kreditinstitute – sofern man die Wegfreimacher als solche bezeichnen darf. Eventuell sind die lediglich eine einfache Bank?

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Nach der Entdeckung bleibt allerdings eine Frage offen: Warum kommt so ein gutes und nahe liegendes Magazinkonzept nicht aus einem der großen Publikumsverlag? Vielleicht liegt es daran, dass sich diese nach wie vor mit der Lokalisierung von Lizenztiteln und dem schwer in Mode gekommenen Community-Publishing herumschlagen. Aber das hatten wir ja schon.

28. Mai 2007

Ein Magazin das in die ZEIT passt

In die ZEIT passt das neue „ZEITmagazin Leben“ auf jeden Fall - rein formal. Ob es in die Zeit passt, wird hier und da heiß diskutiert. Unter dem Aspekt, dass die Themenrelevanz mittelfristig über den Fortbestand einer Publikation entscheidet sicher eine berechtigte und wichtige Diskussion. Für ein Magazin, das als Beilage einer der renommiertesten Wochenzeitungen Deutschlands erscheint, allerdings eher zweitrangig. Der Leser weiß schließlich seit Jahren, was ihn erwartet – Qualitätsjournalismus. Ja natürlich, das Magazin soll verjüngen und neue, bisher unerreichte Leserklientel erschließen. Das diese Wunschdenke hochdekdekorierter Verlagsmarketiers nicht funktioniert, sollte sich spätestens seit der Einstellung des Jetzt-Magazins der Süddeutschen Zeitung im Jahr 2002 herumgesprochen haben.

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Das Beilagemagazin einer Zeitung ist primär ein Zusatzangebot für die bereits vorhandene Leserschaft. Aus diesem Grund ist die Frage, ob das Holtzbrinksche Magazin zur ZEIT passt eine viel spannendere und für die Zukunft des Magazins entscheidendere Frage. Um die Antwort vorwegzunehmen, es passt. Und wie. In gewohnter ZEIT-Manier setzt das Magazin auf journalistisch gut gemachte Hintergrundberichte [Günter Wallraff macht wieder Ärger, S.16], ohne dabei auf unterhaltende Magazinelemente zu verzichten [„Harald Martenstein muss sich immer kürzer fassen“, S. 8 oder „Tillmann Prüfer glättet sich eine falte mit Botox“, S.69]. Das Layout wirkt durch seinen hohen Anteil an Weißraum edel, aufgeräumt und übersichtlich, durch seine überwiegend typografischen Gestaltungselemente ruhig und klar. Attribute, die sich der Leser journalistisch von der ZEIT erwartet und die er hier visuell bestätigt bekommt. Als regelmäßiger ZEIT-Leser fühlt er sich dadurch bereits in der ersten Ausgabe zu Hause. Ein wichtiges Argument für das Magazin, das nur Bestand hat, wenn es von den regelmäßigen Lesern der Zeitung akzeptiert wird.

Als Fazit bleibt zu sagen: Wer mit dem ZEIT-Magazin eine noch nie dagewesene Form des Magazin-Journalismus erwartet hat, wurde sicher enttäuscht. Wer sich allerdings auf ein vierfarbiges Zusatzangebot einer Wochenzeitung gefreut hat, wird vom neuen ZEITmagazin Leben mehr als zufrieden gestellt. Wenn auch nicht bis ins letzte Detail. Natürlich gibt es für die nächsten Ausgaben noch Verbesserungspotenzial. Die „Worte der Woche“ (S. 11) wurden nicht zu Unrecht in den meisten Kritiken als „unterirdisch“ bezeichnet. Und ob man künftig des Öfteren mit Josef Ackermann unter die Dusche steigen muss bleibt ebenfalls zu bezweifeln.
Positiv sei noch erwähnt, dass die ZEIT ihrem Magazin ein eigenes IP-TV-Format gönnt. Eine gute Möglichkeit, die vom Magazin avisierte junge Leserklientel zu gewinnen und außerdem ein schönes Differenzierungsmerkmal zum Wettbewerb, der es nach wie vor mehr schlecht als recht schafft, seine Inhalte halbwegs nutzerfreundlich digital anzubieten. Auf explizite Beispiele sei hier verzichtet, die gibt’s da draußen ja mehr als genug.

Was die Großen dazu sagen:

Der Greis als Rebell | spiegel.de, Christian Buß
Opulent, geschmackssicher - und leider viel zu brav: Die “Zeit” hat ihre vor acht Jahren eingestellte Beilage als “Zeit-Magazin Leben” reanimiert. Das Heft bewegt sich jetzt zwischen Retro-Charme, Veteranentreffen und Personalisierungskult.

Das zweite Leben | taz.de, Stefan Kuzmany
Nach acht Jahren Pause liegt der “Zeit” ab heute wieder ein Magazin bei. Geleitet vom 33-jährigen Christoph Amend, verspricht das “Zeit-Magazin Leben” Verjüngung. Noch überwiegt das Altbekannte.

13. Februar 2007

Loseblattsammlung - ein interessantes Trägermedium

Gerade noch wurde hier äußerst konträr über das Für und Wider von monothematischen Heftkonzepten diskutiert, da fällt mir dieses Fundstück in die Hände. Philipp Zurmöhles Konzept für eine Loseblattsammlung.

"Eine Ausgabe des Magazins enthält ca. 30 Artikelseiten, die der Leser dann nach Belieben sammeln und ordnen kann. Nach und nach legt er sich so ein Archiv an Inspirierendem an. Der Inhalt reicht von Naturphänomenen über Reiseberichte bis hin zu Interviews mit Gestaltern. Die Einzelseiten sind hinten klar informativ und vorn illustrativ frei gestaltet", so Philipp Zurmöhle über das Konzept im Rahmen seiner Diplomarbeit.

Eine wirklich schöne Idee, die sicher im Grundsatz nicht ganz neu ist. Aber das Konzept, jedes Thema lediglich auf einer Seite - doppelseitig bedruckt - zu platzieren, hat schon eine gewisse Einzigartigkeit. Stellt sich also die Frage, ob das nicht ein schönes Trägermedium für ein nicht monothematisches Magazin wäre. Die Macher publizieren interessante, facettenreiche Themen und der Leser sammelt individuell nach seinen Interessensgebieten. User-collected-Content sozusagen. Hätte doch was, oder?

via Gwinner-Blog

24. Januar 2007

Heute nur ein Thema

Ich mag keine monothematischen Magazine mehr. Magazine sind im besten Fall eine Sammlung von Geschichten über das Leben. Aber das Leben ist nicht monothematisch. Zum Beispiel sind im realen Leben nicht alle Frauen dunkelhaarig, außer in Italien. Und deshalb pfeifen die italienischen Männer den blonden Frauen hinterher.
Vielleicht ist genau das die Motivation, monothematische Hefte zu machen: Wenn schon das Leben kompliziert ist, macht man wenigstens das Lesen einfach. Man schreibt nur ein Wort auf die Titelseite und der Käufer weiß, was er kriegt – oder vielmehr, was er nicht kriegt. Der Plan geht auf, die Hefte sind beliebt. Es sind Nachschlagewerke, in einem Wort ist alles enthalten. Heute ist „Mobilität“ dran und morgen „Monogamie“. Und irgendwann macht ein ganz ein Schlauer ein Heft zum Thema „Monothema“. Und der Leser freut sich, wie gut man diese Magazine sammeln kann, sogar alphabetisch.
Ich behaupte auch, dass diese Magazine leichter zu machen sind. Assoziativ umkreisen Redakteur und Art Direktor das Thema M nach Schema F. Ein Prozess mit Erfolgsgarantie. Das Ergebnis sind kleine Ausschnitte des Lebens, auf komplizierte Zusammenhänge kann verzichtet werden. Bei einem Magazin zum Thema „italienische Frauen“ ist die Recherche überschaubar. Machen Sie mal eins zum Thema „Frauen und Männer dieser Erde und alles was sich zwischen ihnen abspielt“. Ich würde es lesen.

Hier schreiben Fachautoren über neue Trends und Entwicklungen des Corporate Publishing auf dem deutschsprachigen Markt.