Was heißt hier noch "Information"?
Irgendwie beschäftigt sie uns alle, die Welt des Bloggens. Für Old-School-Printleute ist sie das Ende aller Kultur. Internetaktivisten sehen im Blog die Zukunft der Demokratie. Beides Quatsch, sagt Medientheoretiker Geert Lovink. Für ihn ist die Bloggerwelt schlicht Teil einer breiten Degeneration: der Degeneration dessen, was wir bisher unter Information verstanden. "Each new blog adds to the fall of the media system that once dominated the twentieth century", sagte Lovink, Chef des Institute of Network Cultures, kürzlich bei einem Vortrag am Londoner Goldsmiths College. "What's declining is the Belief in the Message; that's the nihilist moment and blogs facilitate this culture like no platform has done before." Was ist noch Information, was eine Nachricht, was eine Botschaft, wenn alles und nichts Information ist? Wenn das Internet vor nicht informierender Information überquillt?
Wir müssen uns damit abfinden: Wir leben in gewisser Hinsicht in einer Welt, in der Information und damit auch die journalistische Arbeit ihren heroischen Status verloren hat. "Each new blog entry adds to the slow implosion of our centralized meaning structures", sagt Lovink. "The printed and broadcast message has lost its aura." Die Frage ist, wie man trotz dieser verlorenen Aura bei Lesern so etwas wie Relevanz herstellt. Über Bilder? Design? Storytelling? Bildung von Medienmarken? Alles Ansätze, die in die richtige Richtung gehen. Den Stein der Weisen aber suchen europäische wie amerikanische Großverlage momentan noch. Fakt ist, dass im Journalismus die Zeitenwende, die die Blogs zumindest mit eingeleitet haben, noch nicht gänzlich verstanden wurde. Die Tatsache, dass sich die Informationsgesellschaft, wenn sie überleben will, neu erfinden muss, dämmert erst allmählich.