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Club der Ahnungslosen?

Klar, keine Profession lässt sich gern in die Karten schauen. Fliesenleger und Maler mögen es schließlich auch nicht, wenn Hobbyheimwerker am Wochenende, das tun, was die Männer mit den Meister- und Gesellenbriefen doch eigentlich am besten und auch gern ohne Mehrwertsteuer machen: nämlich malen und fliesen.

Und dann kommt da auch noch ein Start-up-Unternehmer (mittlerweile gibt es die ja wieder) wie Marcel Meier daher, Gründer der FreeFlow AG, pumpt sich bei einer Veranstaltung des Ringier-Verlags auf und behauptet: „Mit dem richtigen Tool kann auch ich Journalist werden.“ Soll heißen: Zum Publizieren braucht es nur eine kostenlose Blog-Software und ein überdurchschnittlich ausgeprägtes Geltungs- und Mitteilungsbedürfnis.

Dies nur vorweg, um verständlich zu machen, warum manche Redakteure –vorzugsweise solche aus der überregionalen Platzhirsch-Presse und den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern – aggressiv reagieren, wenn Blogger und andere publizierende Amateure in ihrem Revier wildern. So beschimpfte kürzlich Bernd Graff, stellvertretender Onlinechef der Süddeutschen, das Internet (mithin das Medium, das es dem Mann ermöglicht, jeden Monat seine Miete zu bezahlen) als „Debattierklub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten“. Bewirbt sich der Mann mit seiner Polemik etwa um eine Stelle in der Printausgabe mit all den Old-School-Annehmlichkeiten wie Redaktionsschluss, Tarifvertrag und Publikationsbefugnis ausschließlich für Redakteure mit 24-monatigem Volontariat bei nach DIN zertifizierten Qualitätszeitungen?

Immerhin, so viel ist daran richtig: Gute Blogs erinnern eher an die Intelligenzblätter des 18. Jahrhunderts, aus den Zeiten vor der Professionalisierung des Journalistenberufs, als vor allem Meinungen ausgetauscht wurden: wenige Nachrichten, kaum erzählende Texte, dafür sehr viele Kommentare, manche intelligent, die meisten schnell hingeworfen und wenig durchdacht, viele davon gehässig. Insofern sind Blogs bei nüchterner Betrachtung ein Sekundärmedium, denn sie können in der Regel nicht eigenständig existieren, sondern basieren auf dem, was professionelle Journalisten an Fakten und Storys zusammengetragen haben. Kann sich ein Redakteur eigentlich mehr Aufmerksamkeit für seine Texte wünschen?

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