Internet kills the newspaper star...not
Als Printjournalist jüngeren bis mittleren Alters ist man mit einer Gewissheit aufgewachsen: Das Internet ist böse, weil es die gute alte Zeitung tötet. Könnte sein, dass es nun an der Zeit ist, dieses Mantra zu überdenken. Eine aktuelle Untersuchung von Roland Berger Strategy Consultants zeigt nämlich: Print stirbt gar nicht. Ein absoluter Totfeind ist das www nicht für Zeitungen und Magazine, sondern eher fürs Fernsehen.
Die These der Berater: Mit klarer Fokussierung auf Premium-Zielgruppen haben gerade die klassischen Qualitätszeitungen und -magazine eine Zukunft. Denn die Käuferschicht des Printjournalismus wird zwar womöglich kleiner, weil bestimmte Leserschichten ins Netz abwandern. Sie wird aber auch lukrativer. Treu bleiben dem Gedruckten nämlich vor allem zahlungskräftige Premium-Zielgruppen. Und die sind offenbar bereit, für Zeitungen sogar deutlich mehr zu bezahlen als bisher.
Was heißt das für die Medienmacher? Beruhigt zurücklehnen und in alter Chefredakteursmanier erst mal Füße auf dem Tisch und ne Zigarre rauchen? Nein, Füße wieder runter, an die Arbeit: Die Zeitungen sind nämlich nach Ansicht von Roland Berger bisher zu unklar positioniert. Die Aussage "wir sind eine überregionale Qualitätszeitung" ist noch keine Positionierung. Es gilt, genau die jeweiligen Zielgruppen zu definieren und für die eine Zeitung zu machen – und nur für die. Der Anspruch, den wir alle an der Journalistenschule gelernt haben, Nachrichten für einen gewogenen Durchschnitt der Bevölkerung zu erstellen, ist Quatsch. Die Massenzeitung für alle hat ausgedient. Und ganz ehrlich: Ich begrüße das. Solchen medialen Rundumschlägen haftet nämlich immer etwas Mediokres an. Sie sind die "große Samstagabenshow" fürs ganze Land in Printform. Das ist öde. Dann schon lieber eine scharf definierte Zeitung für eine Zielgruppe, definiert eher über Werte als über soziodemografische Kriterien.
Dass das Internet für diese Art Printmedien unwichtig ist, glaube ich übrigens nicht. Es spielt bei der Stärkung des Markenprofils eine wichtige Rolle. Beispiel: Der coole Videoblog von Matthias Matussek verleiht der Marke Spiegel zusätzliche Strahlkraft.