Alles nur Verkaufe?
Journalisten müssen Leute sein, „auf die wir uns verlassen können in einer Welt, in der uns an jeder Ecke irgendjemand etwas verkaufen will.“ Sagt Siegfried Weischenberg, Hamburger Journalistikprofessor und ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands.
Mit dem kulturkritischen Imperativ gegen die „Verkaufe“ wird hier wieder einmal der Gral des porentief reinen Journalismus hochgehalten. Prinzipiell ja zu Recht; selbst wer einen Konsumleitfaden mit der Anmutung eines gehobenen Versandhauskatalogs wie die Vogue erwirbt, hat ja grundsätzlich den Anspruch, als Ausgleich für den entrichteten Copypreis über Ge- oder Misslingen der aktuellen Kollektion von Zac Posen oder Roberto Cavalli objektiv informiert zu werden. Dass die Wirklichkeit oft anders aussieht – geschenkt.
Interessant an Weischenbergs Forderung ist aber, dass er Journalisten gegen das „Verkaufen“ ausspielt. Dabei ist jede Headline nicht anderes als Marketing für den Text, über dem sie steht – der Versuch, eben diesen Beitrag dem Leser anzudienen. Selbst Ressorts, die sich einst in bildungsbürgerlicher Distanz übten, wie das Feuilleton der FAZ, entfesseln heute bombastische Debatten um Hirnforschung oder Demografie, um auf sich aufmerksam zu machen. Verkaufe – oder vornehmer ausgedrückt: das Ringen um Beachtung in der Aufmerksamkeitsökonomie –, das ist eben auch ein Grundprinzip des Journalismus. Herbert Riehl-Heyse, der langjährige Chefreporter der Süddeutschen Zeitung, hat in diesem Zusammenhang gerne darauf verwiesen, dass Journalisten in der Sozialversicherung gemeinsam mit Zirkusartisten und Marktschreiern geführt werden.
Kommentare
...und wo bleiben die Verlinkungen? ;-P
At all times good blogging,
Thomas
Posted by: Thomas | 22.04.08 14:26