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17.03.08

Journalist oder Euphemist?

In letzter Zeit wurde hier und da ja heiß darüber diskutiert, wie unabhängig CP-Redakteure arbeiten. Na ja, das Redakteure der so genannten "unabhängigen" Presse sich's gerne mal so hindrehen wie's die PR-Agentur auf Ihrer Weihnachtswunschliste vermerkt hatten wir ja schon.

Um die ganze Diskussion etwas aufzulockern hier eine schöne Persiflage vom Sketch-Champ der 80er, Dieter Krebs. Besser kann man unabhängige Berichterstattung kaum durch - na ja, in dem Fall wohl lauwarmes Friteusenfett ziehen.

Was bleibt da mehr zu sagen als - richtig, Sketch up!


Bernies geiler Imbiss - MyVideo

Bleibt die Frage offen: Hatte Krebs nicht seine ganze Kostümkiste dabei oder waren die Typen früher wirklich so schlecht angezogen? ;-)

5.03.08

Corporate Publishing = Journalismus plus x

Ein Gastkommentar von Michael Kuhli

Darf sich, wer im Corporate Publishing tätig ist, eigentlich Journalist nennen? Das Netzwerk Recherche, ein loser Zirkel von Journalisten um Thomas Leif (SWR) und Hans Leyendecker (SZ), die laut eigener Einschätzung „investigativ“ arbeiten, sagt dazu: Nur wer „frei von Interessen und unabhängig“ über Sachverhalte und Ereignisse berichte, gehöre der Presse an. „Journalisten machen keine PR.“

Auf der anderen Seite machen PR-Leute keine Kundenmagazine, und wenn, dann keine guten – so jedenfalls meine Erfahrung. Guter Journalismus braucht ausgebildete Redakteure. Bin ich deshalb gleich in der PR tätig, nur weil ich im Auftrag eines Unternehmens arbeite? Sehen wir die Sache doch mal pragmatisch: Mein Arbeitsfeld, das Corporate Publishing, teilt sämtliche handwerklichen Anforderungen mit dem klassischen Journalismus – bei der Recherche, beim Texten und Blattmachen. In der täglichen Arbeit unterscheidet sich die Arbeit bei einem guten CP-Dienstleister kaum von einem klassischen Verlag. Die offene Positionierung eines Unternehmens beschränkt sich in guten Kundenmagazinen ohnehin häufig auf das Editorial und ein oder zwei strategische Beiträge.

Doch wenn wir jetzt mal grundsätzlich werden, so grundsätzlich wie die Herren Leif und Leyendecker: Natürlich handelt in letzter Konsequenz interessengeleitet und auftragsorientiert, wer Corporate Publishing betreibt. Ein wichtiges Merkmal des Journalisten, die redaktionelle Unabhängigkeit, fehlt ihm, da hat das Netzwerk Recherche schon recht. Doch die Freiheit, einen neuen Lippenstift so ganz nach Herzenslust zu „verreißen“, geht auch dem Frauenzeitschriften-Redakteur ab, der für eine bezahlte Anzeige 20 Seiten später eben diesen beworbenen Lippenstift redaktionell besprechen darf. Sie fehlt auch dem Tageszeitungsredakteur, der den Themenplan einer Verlagsbeilage ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des Anzeigenumfelds zusammenstellen muss.

Corporate Publishing braucht Redakteure, die über alles verfügen, was einen guten Redakteur ausmacht – und über noch ein bisschen mehr: Kontaktstärke, Kommunikationstalent, Dienstleistungsbewusstsein und den Willen, Kundenwünsche auch tatsächlich umzusetzen, doch gerne sehr viel intelligenter, subtiler, als dies in der PR üblich ist. Wer seinen Kunden dagegen als ungeliebten Dritten sieht und davon träumt, sich auf den Spuren von Hans Leyendecker mit Informanten vom BND in zugigen Tiefgaragen zu treffen, wird in dieser Branche nicht recht glücklich werden. Für alle anderen gilt: Corporate Publishing ist Journalismus und noch ein bisschen mehr, also Journalismus plus x.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie vom Autor im Handbuch „ABC des Journalismus“ (hrg. von Prof. Claudia Mast , dessen neueste, elfte Auflage im April 2008 erscheint (UVK Verlagsgesellschaft).

4.03.08

Unser wertvollstes Gut sind...

liebesgruessemoskau.jpg

Wenn das keine Medienwirkung ist: Auf fast einer halben Seite widmet sich die FTD einer Kundenpublikation der russischen Expobank. So sieht erfolgreiches Corporate Publishing aus. Der Trick ist einfach. In ihrem Jahreskalender lässt die Expobank ihre schönsten Mitarbeiterinnen in, nun ja, wenig businessgerechter Kleidung posieren. Sales-Managerinnen als Playboy-Bunnies; ein Very Casual Friday gewissermaßen. Brillant! Selbst die Marketing-Manager von Pirelli und Würth dürften da vor Neid erblassen. Und auch eine Grundmaxime des CP erfüllen die Russen aufs Überzeugendste: die der "transparenten" Kommunikation (Sie verstehen, "transparent", blinzelblinzel). Außerdem: Wie könnte ein Unternehmen eindringlicher und bildhafter der Überzeugung Ausdruck verleihen, dass die Mitarbeiter tatsächlich, wie so oft behauptet, sein wertvollstes Gut sind?

Hier schreiben Fachautoren über neue Trends und Entwicklungen des Corporate Publishing auf dem deutschsprachigen Markt.