Endlich Neuland gesichtet
Endlich komme ich dazu, über jenes Neuland zu berichten, das brandeins-wissen Anfang Oktober mit seinem gleichnamigen Magazin betreten hat. Das Magazinkonzept der Corporate-Publishing-Tochter von brandeins ist so einfach wie genial: Man nehme sich eine x-beliebige Region Deutschlands und schreibe Geschichten über dort ansässige Unternehmen, spannend Menschen und was einem sonst noch so über den Weg läuft.
In der ersten Ausgabe ging die Redaktion in der Südpfalz vor Anker. Hört sich erstmal wenig spektakulär an. Aber wenn man sich das Magazin zu Gemüte führt, fühlt man sich mit jeder Seite mehr wie ein moderner Marco Polo. Na ja, so in klein halt. Oder wussten Sie, dass es ein Südpfälzer war, der den Tonziegel erfand? Oder, dass das südpfälzische Bornheim seit über 130 Jahren eine Baumarktkette beheimatet, nach deren Auffassung es „immer was zu tun gibt“? Aha-Effekte dieser Art bietet das über 200 Seiten starke Magazin zu hauf. Neuland inmitten unserer Heimat sozusagen. Eine dramaturgisch gute Idee die, zumindest in der ersten Ausgabe, bis zum Ende durchgehalten wurde. Hoffentlich funktioniert dieses Wundertüten- konzept auch in den kommenden Ausgaben. Die nächste ist für Ende Februar 2008 angekündigt.
Zur handwerklichen Umsetzung gibt's recht wenig kritisches zu sagen. Das Magazin kommt im Chassis der brandeins daher. Auch das grafische und typografische Konzept sind sehr nahe am Style von Muttern. Erwähnenswert ist vielleicht der Rausschmeißer auf der letzten Seite (siehe Bild unten). Hier schreibt eine prominente Person mit Regionalbezug eine Hommage in Telegrammform. Außerdem gibt es auf der U3 einen Ausklapper mit drei Postkartenmotiven der „entdeckten“ Region. Nett. Schön zu sehen ist auch, dass das regionale Vermarktungskonzept aufgeht. Landkreise sind als Anzeigenkunden ebenso im Heft vertreten wie ortsansässige Kreditinstitute – sofern man die Wegfreimacher als solche bezeichnen darf. Eventuell sind die lediglich eine einfache Bank?
Nach der Entdeckung bleibt allerdings eine Frage offen: Warum kommt so ein gutes und nahe liegendes Magazinkonzept nicht aus einem der großen Publikumsverlag? Vielleicht liegt es daran, dass sich diese nach wie vor mit der Lokalisierung von Lizenztiteln und dem schwer in Mode gekommenen Community-Publishing herumschlagen. Aber das hatten wir ja schon.