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Glanz für Berlin

Ein faszinierendes Stück Corporate Publishing bekommen viele Journalisten einmal jährlich in einem edlen Kasten zugeschickt: Das Magazin zum Bundespresseball. Der Name des Magazins verkündet in entwaffnender Direktheit seine Mission: "Glanz" über der Hauptstadt zu verbreiten. Glanz für eine Stadt, die sich seit Jahrzehnten wünscht, ein wenig "zu werden wie" ihr Zieltriumvirat London Paris New York. Weil die Stadt aber oft eher an, sagen wir, Warschau erinnert, muss eben ein wenig publizistische Imagearbeit betrieben werden.

Schon das Cover erfüllt seine Funktion als Mutmacher für die selbstzweifelnde Metropole bravourös. Zwei elegante Wesen in stilvoller Tanzpose, der Frack des Tänzers fein lackveredelt. Die Ästhetik lehnt sich an an die 20er Jahre, jene Zeit, in der Berlin, so will es die Legende, die Welthauptstadt von Kunst, rasanter Kultur und wildem Leben war. Wenig überraschend vielleicht, aber effizient - der Berliner Partygänger umgibt sich gern mit der Aura der roaring 20s.

Im Heftinneren geht die publizistische Aufladung Berlins munter weiter. Es schreiben durchaus journalistische Hochkaräter - viel über sich selbst, etwas über das Motto des Balles ("Pas de Deux") und in einem Fall über die wackeren Versuche der Bundesregierung, ausgerechnet in Brandenburg, in Schloss Meseberg, so etwas wie Opulenz zu kreieren. Das Problem: So wenig wie Berlin Paris ist, ist Meseberg Versailles. Hübsch in Szene gesetzt, verbreitet das gedruckte Meseberg dennoch immerhin ein wenig scheinroyale Atmosphäre.

Klar: Das Magazin "Glanz" wirkt in all seiner Üppigkeit wie ein weiterer Versuch Berlins, Anschluss an etwas zu finden, was die Stadt für die Standards der "großen weiten Welt" hält. Das macht aber nichts. CP ist bekanntlich zielgerichtetes Publishing. Aus Sicht der Veranstalter hat "Glanz" vor allem die Aufgabe, die Ballbesucher im vorhinein neugierig zu machen auf das, was da in einigen Tagen im InterContinental auf sie zukommt. Diese Funktion erfüllt das Magazin. Da es bei einer realen Sehnsucht des bundesdeutschen Medienvolkes ansetzt - der Sehnsucht nach einer unzweifelhaft weltrelevanten Metropole nämlich – ist ihm außerdem eine Grundsympathie beim Leser garantiert. Und selbst wenn der Ball oder das gesellschaftliche Leben der Stadt die publizistisch ins sehr Hohe getriebenen Erwartungen am Ende nicht ganz erfüllt, so freut man sich am Morgen danach irgendwie doch schon wieder auf die nächste Ausgabe. Also: Mehr Glanz für Berlin!


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