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25.11.07

Glanz für Berlin

Ein faszinierendes Stück Corporate Publishing bekommen viele Journalisten einmal jährlich in einem edlen Kasten zugeschickt: Das Magazin zum Bundespresseball. Der Name des Magazins verkündet in entwaffnender Direktheit seine Mission: "Glanz" über der Hauptstadt zu verbreiten. Glanz für eine Stadt, die sich seit Jahrzehnten wünscht, ein wenig "zu werden wie" ihr Zieltriumvirat London Paris New York. Weil die Stadt aber oft eher an, sagen wir, Warschau erinnert, muss eben ein wenig publizistische Imagearbeit betrieben werden.

Schon das Cover erfüllt seine Funktion als Mutmacher für die selbstzweifelnde Metropole bravourös. Zwei elegante Wesen in stilvoller Tanzpose, der Frack des Tänzers fein lackveredelt. Die Ästhetik lehnt sich an an die 20er Jahre, jene Zeit, in der Berlin, so will es die Legende, die Welthauptstadt von Kunst, rasanter Kultur und wildem Leben war. Wenig überraschend vielleicht, aber effizient - der Berliner Partygänger umgibt sich gern mit der Aura der roaring 20s.

Im Heftinneren geht die publizistische Aufladung Berlins munter weiter. Es schreiben durchaus journalistische Hochkaräter - viel über sich selbst, etwas über das Motto des Balles ("Pas de Deux") und in einem Fall über die wackeren Versuche der Bundesregierung, ausgerechnet in Brandenburg, in Schloss Meseberg, so etwas wie Opulenz zu kreieren. Das Problem: So wenig wie Berlin Paris ist, ist Meseberg Versailles. Hübsch in Szene gesetzt, verbreitet das gedruckte Meseberg dennoch immerhin ein wenig scheinroyale Atmosphäre.

Klar: Das Magazin "Glanz" wirkt in all seiner Üppigkeit wie ein weiterer Versuch Berlins, Anschluss an etwas zu finden, was die Stadt für die Standards der "großen weiten Welt" hält. Das macht aber nichts. CP ist bekanntlich zielgerichtetes Publishing. Aus Sicht der Veranstalter hat "Glanz" vor allem die Aufgabe, die Ballbesucher im vorhinein neugierig zu machen auf das, was da in einigen Tagen im InterContinental auf sie zukommt. Diese Funktion erfüllt das Magazin. Da es bei einer realen Sehnsucht des bundesdeutschen Medienvolkes ansetzt - der Sehnsucht nach einer unzweifelhaft weltrelevanten Metropole nämlich – ist ihm außerdem eine Grundsympathie beim Leser garantiert. Und selbst wenn der Ball oder das gesellschaftliche Leben der Stadt die publizistisch ins sehr Hohe getriebenen Erwartungen am Ende nicht ganz erfüllt, so freut man sich am Morgen danach irgendwie doch schon wieder auf die nächste Ausgabe. Also: Mehr Glanz für Berlin!


5.11.07

Was bitte ist sevenload?

"Wie bitte, sevenload - was ist denn das?" Dieser Frage begegnet der begeisterte IP-TV-Jünger all zu oft, wenn er feierabendlich von seinen neusten Bewegtbildentdeckungen im Netz schwärmt. Mit dem Hinweis, dass „sevenload“ das deutsche Pendant von „youtube“ sei, ist die Frage dann auch für die nicht medienschaffende Analogspezies schnell beantworten.

Dass diese Erlebnisse durchaus keine Ausnahme sind, bestätigt nun eine empirische Untersuchung von Web-TV-Experte Betram Gugel. Laut Gugels Studie steigerte „youtube“, neben vielen anderer Attribute auch wegen seiner höheren Markenbekanntheit, innerhalb der letzten acht Monate seine Abrufzahlen um mehr als 120 Prozent. Die deutschen Vertreter wie „sevenload“ und „myvideo“ liegen mit einer Steigerung von 50 bis 70 Prozent, bei deutlich geringerer Ausgangsbasis, weit hinter dem US-Marktführer zurück.
Gründe für die divergente Entwicklung gibt es viele. So führt Gugel für die mäßige Entwicklung von sevenload unter anderem die eher zweitklassige Videoqualität ins Feld. Zu Recht: Vergleicht man beispielsweise die Qualität von „sevenload“ mit den Angeboten des „Deutschlandreporters“ – übrigens technische von der TV1 betreut – fällt selbst dem ungeübten Betrachter der exorbitante Unterschied ins Auge.

Das allerdings trotz der mäßigen Entwicklung deutschsprachiger Videoportale das Thema IP-TV nach wie vor brandheiß ist, zeigt die jüngste Entwicklung der Bildzeitung. Mit „BILD live“ ist am Freitag ein tägliches Web-TV-Format der Bildzeitung gestartet. Auch die IP-TV- Wahrheit braucht eben einen mutigen, der sie ausspricht.

Wer weitere Argumente sucht, warum IP-TV eine große Zukunft vor sich hat, sei hier auf ein Interview mit Michael Westphal, Geschäftsführer der oben genannten TV1 GmbH, hingewiesen. Fachlich fundiert und sehr amüsant:


Link: sevenload.com

Hier schreiben Fachautoren über neue Trends und Entwicklungen des Corporate Publishing auf dem deutschsprachigen Markt.