« Totgesagte leben länger | Main | Im Zweifel für den Angeklagten »

Der größte Corporate Publisher der Welt

Publikumsverlage sind nicht mehr hipp. Klar – Hefte mit Inhalten zu bestücken für Leser die dem Verlag weitestgehend unbekannt sind ist unsexy. Viel spannender ist es doch Periodicals als Platform für eine virtual Community herauszugeben deren Interests genau bekannt sind, weil das Involvement der Leser extrem hoch ist was letztlich zu higher Revenues führt.

Ob nun die Hipness oder die Revenues der Beweggrund sind sei dahingestellt. Vermutlich ist es eine Mischung aus beidem, die G+J dazu bewegt, ein weiteres Community-Magazin aufzulegen. Auf das im Mai gestartete ebay-Magazin soll nun ein Titel für die Xing-Mitglieder folgen. Nach Informationen von HORIZONT arbeitet die Kölner Verlagstochter „Capital“ bereits mit Hochdruck an der Nullnummer die schon im Herbst getestet werden soll.
Warum das Magazin allerdings wieder nicht unter dem Dach der CP-Tochter G+J Corporate Media läuft ist nicht bekannt. Denn nach Aussage von Bernd Buchholz, G+J-Vorstand, handelt es sich um eine „Print-Verlängerung einer populären Internetmarke“, und damit um eine klassische Unternehmens-Publikation. Die Mär eines unabhängigen Titels, die Andreas Petzold, Geschäftsführer des ebay-Magazins und Stern-Chefredakteur, bereits vor der Einführung des ebay-Magazins erzählte, wird hier vermutlich fortgeschrieben. Fraglich nur, wer sie glaubt. Denn eine Marke wie Xing, die ausschließlich vom Vertrauen ihrer Mitglieder lebt, wird ein Magazin mit gleichnamigem Titel ganz bestimmt nicht gänzlich und ohne Mitspracherecht an einen Verlag vergeben.

Auch wenn das neue Xing-Magazin eine weitere Mogelpackung aus dem Hause G+J sein wird, so bleibt im Sinne des journalistischen Anspruchs dennoch zu wünschen, das die Capital-Entwicklungsredaktion die nötige Hipness aufbringt, die den ebay-Entwicklern offenstichtlich fehlte. Denn eines ist klar, wenn das Xing-Magazin ähnlich erbärmlich aufgemacht ist wie die ebay-Postille, dann wird es ganz schnell an Attention verlieren.

ebay_1.jpg

Und das wäre für G+J der strategische Gau. Denn nur wenn das Xing-Magazin funktioniert ist das avisierte Ziel erreichbar – der größte Corporate-Publisher der Welt zu werden. Fantastic.

TrackBack

TrackBack URL für diesen Eintrag:
http://www.blogs-hbm.de/cgi-bin/mt-tb.cgi/375

Kommentare

Dass das Ebay-Magazin mies gemacht ist - d'accord. Dass G+J Corporate Media bei der ganzen Nummer irgendwie unglücklich aussieht - sehe ich auch so. Aber trotzdem will mir die "Mogelpackung", die Du ansprichst, nicht einleuchten. Wenn wir die Annahme ernst nehmen, dass auch Unternehmen echten Journalismus finanzieren können, dann wird die Grenze zwischen CP und Kiosk- oder Publikumsmedien brüchig. Es ist dann sehr wohl denkbar, dass ein "echter" Verlag ein journalistisches Magazin erstellt, für das er einen Teil der Finanzierung von einem Kunden bekommt.

Das ist in meinen Augen keine Mogelpackung. Der Absender ist klar erkennbar, die Marke steht immerhin auf dem Titel.

Bleibt die Frage, warum G+J Corp Media die Dinger nicht macht / machen darf. Und es schließt sich die Frage an, warum BuYu, HoCa und Konsorten sich noch nicht in diesem Bereich engagieren. Liegt es daran, dass hier "echte" Journalisten ran müssen? Oder ein anderes Verlagsmanagement nötig ist? Oder sind das reine Vorstandsentscheidungen zugunsten der Stern-Jungs - zumindest im Fall von ebay und Xing.

Vielleicht waren auch, und das wäre der profanste aller Gründe, die vorgelegte Konzepte der CP-Verlage schlechter als das, was die Stern-Leute lieferten?

Als eine Mogelpackung habe ich das Konzept deshalb bezeichnet, weil der Absender eben nicht klar erkennbar ist. Absender der Postille ist jeweils nicht die Marke, sonder der Verlag. Das im Hintergrund in dunklen Konferenzräumen zwischen Verlag und Marke (eBay u. Xing) gebartert wird was das Zeug hält, ist für den Leser nicht erkennbar. Außerdem behauptet G+J, dass sie ein unabhängiges Magazin für eine bestehende Community sind, und das sind sie nun mal nicht.

Das Unternehmen "echten" Journalismus finanzieren finde ich prima, nur müssen sie's dann halt auch sagen Bei eBay spricht man lediglich von einer losen Kooperation, von der niemand, schon gar nicht der Leser, weiß, wie sie geartet ist (s. verlinkten Presseartikel in meinem eBay-Post).

Sorry, aber das ist von beiden Seiten eine Mogelpackung und sollte deshalb - und da gebe ich dir recht - korrekterweise als Mogel-Mogelpackung bezeichnet werden

Kommentar schreiben

Hier schreiben Fachautoren über neue Trends und Entwicklungen des Corporate Publishing auf dem deutschsprachigen Markt.