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27.07.07

Totgesagte leben länger

"Was hat Zeitschrift was andere Medien nicht haben?" Diese Frage stellte im April Lucas von Gwinner in den virtuellen Raum des CP-Blogs. Vorangegangen war eine kontroverse Diskussion über die Glaubwürdigkeit von Print-Magazinen.

Um die Frage journalistisch sauber beantworten zu können hat sich die CP-Blog-Redaktion, übrigens eine der größten investigativ arbeitenden Redaktionen Europas, auf die Suche nach einem kompetenten Ansprechpartner gemacht. Mit Sebastian Marquardt vom Zeitschriftenblog war dieser recht schnell gefunden. Allerdings hat er sich mit der Antwort dann doch etwas Zeit gelassen, was sicherlich an der Komplexität der Fragestellung lag.

In seinem aktuellen Blogbeitrag zeigt Marquardt jetzt die Vorteile von Zeitschriften gegenüber der digitalen Konkurrenz auf. Nach seiner Einschätzung sind es drei Teilbereiche, in die sich die Vorteile einer Zeitschrift gliedern: Erstens das haptische Erlebnis, zweitens die Flexibilität den Lesestoff immer und überall konsumieren zu können und drittens, der bleibende Wert, den eine Zeitschrift darstellt. In seinem Resümee kommt Marquardt schließlich zu folgendem Schluss:

"In den Nischen aber sind gedruckte Magazine eine feste Größe. Die richtige Online-Strategie dürfte auch hier maßgeblich Einfluss auf Erfolg und Misserfolg haben, aber die Leser werden das bedruckte Papier nicht schmähen."

Unter dem Aspekt das „Nische“ und „CP“ synonym verwendbar sind, braucht sich die Zunft mittelfristig also keine Sorgen um ihr Print-Geschäft zu machen. Allerdings stelle ich mir nun die Frage, ob eine qualitative Argumentation a la Marquardt auch die Schatzmeister in den Unternehmen überzeugt. Denn zwei zentrale Argumente gegen das Medium sind unbestritten. Die Inhaltsvermittlung ist langsamer und teurer als im Web. Vielleicht findet sich da draußen ja ein Schatzmeister, der Teil unserer nächsten investigativen Geschichte werden möchte. Arbeitstitel: „Die Schatzmeister als Feingeister – Ein Insider packt aus.“

Bewerbungen nehmen wir gerne über die Kommentarfunktion zu diesem Post entgegen.

25.07.07

Vom Segen der Langsamkeit

Das Internet, so heißt es, zeichnet sich durch seine Schnelligkeit aus. In einem Blog kann man unmittelbar auf Ereignisse reagieren. Dem Blogger bereitet dieser Umstand ein permanentes schlechtes Gewissen. Schon drei Tage Wartezeit zwischen Ereignis und Blogeintrag, und man fühlt sich schrecklich langsam, irgendwie "old economy".

Manchmal hat Langsamsein aber auch sein Gutes. Wäre ich schnell gewesen, so hätte ich schon vor ein paar Wochen auf ein kleines Booklet reagiert, das mir aus der sympathischen brandeins entgegenfiel. "Deutschlands ungeliebte Klimaschützer" steht unprätentiös auf dem Cover. Sonst nichts. Auf den nächsten Seiten folgen zurückhaltend atmosphärische Fotos, die im Vordergrund jeweils glückliche und sichtlich unverstrahlte Lebewesen zeigen – und im Hintergrund ein Atomkraftwerk. Brunsbüttel zum Beispiel hält sich im Rücken glücklicher Schafe. Jedes Bild wird mit Kurznews angereichert, die alle das Faktum variieren, dass AKWs kaum CO2 produzieren. (Hier eine Onlinevariante des Ganzen)

Natürlich hätte ich das Booklet als klug und hintergründig gelobt und argumentiert, dass CP in der Lage ist, komplizierte Botschaften subtil, unaufdringlich und unwerblich an den Leser zu bringen.

Doch dann kam die Pannen in Krümmel und deren miserable Kommunikation. In diesem medialen Umfeld hätte mein Blog, nun ja, ausgesprochen unglücklich gewirkt. Ebenso wie jetzt das Booklet ein wenig deplaziert erscheint.

Verargumentieren kann ich nun etwas komplett anderes: Dass nämlich in Krisenzeiten Corporate Publishing bisher kaum eingesetzt wird. Warum lesen wir jetzt nichts von Vattenfall? Ist CP nur etwas für sonnige Zeiten? Storytelling – ja, aber nur mit hollywoodmäßig berechenbaren Happy Ends?

Um aber diese Fragen zu beantworten, müsste ich gegen ein weiteres Dogma der "Bloggosphäre" verstoßen – das der Kürze. Und das will ich natürlich nicht. Mehr daher später.

20.07.07

APRIL, APRIL - HVB und Pleon haben uns vera.....!

Endlich ist es da, das tolle "HEURECA - Das HVB Wealth Management Magazin" von Pleon. Zugegeben, ein etwas langer Titel, der für deutsche Zungen schwer auszusprechen ist. Und bei dem Gebissträger Gefahr laufen (spätestens bei "Wealth") ihrer Ersatz-Kauleiste verlustig zu werden.
Ich weiß gar nicht, warum sich die CP-Branche so darüber aufregt. Lustige Headlines verbinden sich mit - aus Kostengründen - sinnfreien Texten im geistig luftleeren Raum. Das ist doch entspannend und fordert einen nicht so wie ein richtiges CP-Magazin, bei dem die Texte und Bilder einen Sinn ergeben. Also ich habe beim Durchblättern des Magazins herzhaft lachen können, denn schließlich wurde das Ganze ja von Volontären zusammen gebastelt. Jedenfalls drängt sich einem dieser Eindruck auf. Aus Kostengründen - aber das wissen wir ja seit dem Versteigerungs-Coup - ist denn auch Kohtes Paule zitiert worden, von dem man ja weiß, dass er irgendwie etwas mit Pleon zu tun hat. Geld für einen echten Fachmann hat man halt nicht gehabt.

Und was vermittelt "HEURECA" nicht alles für tolle Erkenntnisse. Hätten Sie gewusst, dass "Die Mitarbeiter das wichtigste Kapital der Bank" sind? Da fällt man doch vor lauter Ehrfurcht auf die Knie. Oder schon die herzliche Begrüßung des Mitglieds des Vorstandes der HypoVereinsbank, Andreas Wölfer: "Liebe Leserin, lieber Leser, mit Freude präsentiere ich Ihnen die erste Ausgabe unseres neuen Magazins Heureca." Was für eine Headline! Da wird einem doch warm ums Herz, und man möchte als "lieber" Leser den Mann an die Brust drücken. Und erst die tolle Gestaltung. Wussten Sie, dass man - aus Kostengründen natürlich - das Design bei den Stammtischbrüdern "Volle Promille" im Englischen Garten in Auftrag gegeben hat? Und die vielen Anzeigen (oder sollte das Gestaltung sein?). Ist doch echt lustig. Lesen bracht man die Postille gar nicht, das steht ja schon auf dem Titel: "Verschenkte Zeit".

Was die ganze Branche nicht bemerkt hat: Das Ding ist ein April-Scherz. Steht ganz groß auf dem Titel: "Ausgabe 1, April 2007". Da ist dem Chefgrafiker von "Volle Promille" aus Versehen ein Komma statt eines Punktes rausgerutscht.

Heureka! Ich hab's gefunden!

Weitere Infos zum Thema gibt es hier:
CPWISSEN, vom 18.07.2007

12.07.07

Jetzt `ne Zeitschrift

Über den hohen Einfluss von Zeitschriften auf ihre Rezipienten haben wir hier bereits im April schon einmal berichtet. Mit „Jetzt ’ne Zeitschrift“ startet der Verband der deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ) nun eine Kampagne, die den Stellenwert des Mediums noch stärker hervorheben soll. Mit emotionalen Motiven werden Stärken und Besonderheiten des Mediums aus Sicht des Lesers herausgestellt.

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Die Kampagne läuft primär in aufmerksamkeitsstarken Publikumszeit- schriften und wird über weitere Werbemittel wie Poster und Citylights gestützt. Mit einem Fotowettbewerb zum besten Kampagnenmotiv setzt der VDZ auf „user-generated-content“ und beweist damit, dass er den neuen Einflüssen des Web 2.0 durchaus offen gegenübersteht. Noch bis zum 30. September können Websitebesucher am Jetzt`ne Zeitschrift Fotowettbe- werb teilnehmen. Von den zehn Motiven mit den meisten Stimmen, werden von einem Gremium des VDZ die drei besten ausgewählt.

Grundsätzlich eine schöne Idee. Ob damit allerdings das Auflagensterben gestoppt werden kann bleibt zu bezweifeln.

via CP-Lounge

Hier schreiben Fachautoren über neue Trends und Entwicklungen des Corporate Publishing auf dem deutschsprachigen Markt.