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Quatsch!

Letzte Woche ist es passiert: In einem großen Hotel lümmelten einige Manager in ihren Sitzen und blätterten in den Zeitschriften, die dort herum lagen (okay, ich hatte einige unserer Kundenzeitschriften dazu geschmuggelt). Plötzlich sagte einer: "Das liest doch keiner." Die anderen stimmten übellaunig ein. Ich stand auf und trat zu der Gruppe. "Woher wissen Sie das?" fragte ich den Mann. Er sah mich erstaunt an und sagte wie aus der Pistole geschossen: "Meine Frau liest das auch nicht". Angesichts dieser empirischen Datenlage verschloss sich mir der Mund. Zugegeben, die besagte Zeitschrift war eher auf Frauen zugeschnitten. Da aber nach der nach mir benannten empirischen Untersuchung - die "Brixen-Methode" - (die auf deutlich mehr als neun Flügen mit der Lufthansa basiert) 90 Prozent aller sogenannten Männer nach der "Gala" oder "Bunte" schreien, schien mir der Herr zur richtigen Zielgruppe zu gehören. Ja, er hatte etwas Weibisches an sich. Wahrscheinlich hatte sich bei ihm vom vielen Blondinen-Bildchen-Gucken schon seine mickrige Männlichkeit komplett zurückgebildet. "Hören Sie", sagte ich etwas erregt, "diese Zeitschrift ist absolut professionell gemacht und wird von ihren Lesern geliebt". "Quatsch", sagte der (Blöd)Mann mit ziemlich hoher Stimme, "das liest keiner". Diesen Satz hatte ich schon öfter vernommen (fast immer in Kneipen und irgendwelchen Sitzungen), er bewirkt bei mir einen Pawlow'schen Reflex. Ich rollte die Zeitschrift zusammen und steckte sie dem lachenden Mann durch die wulstigen, weibischen Lippen in den Hals. Er sah jetzt ziemlich merkwürdig aus, rotgesichtig, schnaufte aus der Röhre und glotzte verdutzt seine Kumpels an. "Jetzt", sagte ich, "liest's keiner mehr".*
Wie sich herausstellte, war der Mann verantwortlich für die Kommunikation eines großen Unternehmens. Er hörte auf das Volk, er hörte auf seine Leser, er hörte auf seine Frau. Die war sein Volk. Und wenn seine Frau sagte: "Quatsch", dann sagte auch er "Quatsch". So funktioniert Marktforschung.

Ein Tipp: Falls man keine Frau hat oder keinen Mann, keine Freundin oder keinen Freund, kein Kind, keinen Verwandten, die man fragen könnte: Leihen Sie sich einen Partner aus. Es gibt mittlerweile professionelle "Quatsch"-Sager. Das sind meist alleinstehende BeraterInnen. Das Top-Modell kann auch so schlaue Sätze sagen wie: Die Rezeption medialen Contents der Rezipienten ist eventum zero.

Das ist natürlich alles Quatsch.
Sagt meine Frau ja auch immer.

* an dieser Stelle bin ich aus dem Traum erwacht.

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