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30.05.07

Es ist mein Text, ich darf mich lang fassen (sogar in der Überschrift, wie man sieht)

Lieber Harald Martenstein, ich habe mit den Gesetzen der Mathematik mal ausgerechnet (so genau ich das als Art Direktor überhaupt kann), dass Ihre Kolumne im ZEITmagazin bei gleich bleibender Abnahme der Zeichenzahl an Heilige Drei Könige des Jahres 2012 nur noch aus Ihrem Namen bestehen wird, das sind die Gesetze des Magazinjournalismus, tut mir leid.
Haben Sie ein Glück, dass ich Ihre – wie ich finde schon jetzt etwas kurze – Kolumne gelesen habe, denn ich kann Ihnen helfen. Ich besorge Ihnen bei uns im Verlag ein Magazin, in dem Sie sich ausbreiten können. Als Gegenleistung schreiben Sie Ihre Kolumne dann nicht mehr für die ZEIT, sondern für ein Wirtschaftsmagazin zum Beispiel. Kurz vor Redaktionsschluss rufen Sie an und teilen uns mit, ob Sie 3248 oder 4102 Zeichen brauchen. Ach was, schicken Sie kurz vor der Blaupause den Text rein, ich sorge dafür, dass er ungekürzt ins Heft kommt. „Was heißt hier Luft in den Artikeln, was heißt hier Bilder, Freiraum, Illustrationen?“ werd ich rufen, „Martenstein ist Martenstein und ein Satzspiegel dazu da, dass man ihn verlässt.“ Nötigenfalls kopiere ich nach Redaktion und Lektorat Ihre Version wieder hinein und mach die Schrift heimlich einen Punkt kleiner, oder nullkommaneun, geht ja alles heutzutage.
Bevor Sie nun vorschnell zusagen, sollten Sie noch zwei Dinge wissen: Erstens sind Sie als Journalist bestimmt ein wenig eitel und deshalb möchte ich darauf hinweisen, dass Sie für Ihre Kolumne das jetzt noch leserfreundlichere Magazin der ZEIT gegen eines unserer Corporate Publishing Magazine eintauschen würden. B2B oder B2C, was das ist, erklär ich Ihnen später. Zweitens sind nicht alle Art Direktoren so mächtig wie die bei der ZEIT, und da liegt mein Problem. Unsere Chefredakteure sagen nämlich so Sachen wie „Meine Autoren such ich mir gefälligst selber aus, Martenstein bleibt draußen. Kümmere Du Dich um den Weißraum, den hast Du Dir selbst eingebrockt.“
Mit Geduld und Mathematik warte ich jetzt auf den Sommer des Jahres 2012. Dann wird auch noch Ihr Name aus der Kolumne verschwunden sein. Merken Sie sich meinen. Wie gesagt, ich kann Ihnen helfen.

28.05.07

Ein Magazin das in die ZEIT passt

In die ZEIT passt das neue „ZEITmagazin Leben“ auf jeden Fall - rein formal. Ob es in die Zeit passt, wird hier und da heiß diskutiert. Unter dem Aspekt, dass die Themenrelevanz mittelfristig über den Fortbestand einer Publikation entscheidet sicher eine berechtigte und wichtige Diskussion. Für ein Magazin, das als Beilage einer der renommiertesten Wochenzeitungen Deutschlands erscheint, allerdings eher zweitrangig. Der Leser weiß schließlich seit Jahren, was ihn erwartet – Qualitätsjournalismus. Ja natürlich, das Magazin soll verjüngen und neue, bisher unerreichte Leserklientel erschließen. Das diese Wunschdenke hochdekdekorierter Verlagsmarketiers nicht funktioniert, sollte sich spätestens seit der Einstellung des Jetzt-Magazins der Süddeutschen Zeitung im Jahr 2002 herumgesprochen haben.

Zeitlayout.jpg

Das Beilagemagazin einer Zeitung ist primär ein Zusatzangebot für die bereits vorhandene Leserschaft. Aus diesem Grund ist die Frage, ob das Holtzbrinksche Magazin zur ZEIT passt eine viel spannendere und für die Zukunft des Magazins entscheidendere Frage. Um die Antwort vorwegzunehmen, es passt. Und wie. In gewohnter ZEIT-Manier setzt das Magazin auf journalistisch gut gemachte Hintergrundberichte [Günter Wallraff macht wieder Ärger, S.16], ohne dabei auf unterhaltende Magazinelemente zu verzichten [„Harald Martenstein muss sich immer kürzer fassen“, S. 8 oder „Tillmann Prüfer glättet sich eine falte mit Botox“, S.69]. Das Layout wirkt durch seinen hohen Anteil an Weißraum edel, aufgeräumt und übersichtlich, durch seine überwiegend typografischen Gestaltungselemente ruhig und klar. Attribute, die sich der Leser journalistisch von der ZEIT erwartet und die er hier visuell bestätigt bekommt. Als regelmäßiger ZEIT-Leser fühlt er sich dadurch bereits in der ersten Ausgabe zu Hause. Ein wichtiges Argument für das Magazin, das nur Bestand hat, wenn es von den regelmäßigen Lesern der Zeitung akzeptiert wird.

Als Fazit bleibt zu sagen: Wer mit dem ZEIT-Magazin eine noch nie dagewesene Form des Magazin-Journalismus erwartet hat, wurde sicher enttäuscht. Wer sich allerdings auf ein vierfarbiges Zusatzangebot einer Wochenzeitung gefreut hat, wird vom neuen ZEITmagazin Leben mehr als zufrieden gestellt. Wenn auch nicht bis ins letzte Detail. Natürlich gibt es für die nächsten Ausgaben noch Verbesserungspotenzial. Die „Worte der Woche“ (S. 11) wurden nicht zu Unrecht in den meisten Kritiken als „unterirdisch“ bezeichnet. Und ob man künftig des Öfteren mit Josef Ackermann unter die Dusche steigen muss bleibt ebenfalls zu bezweifeln.
Positiv sei noch erwähnt, dass die ZEIT ihrem Magazin ein eigenes IP-TV-Format gönnt. Eine gute Möglichkeit, die vom Magazin avisierte junge Leserklientel zu gewinnen und außerdem ein schönes Differenzierungsmerkmal zum Wettbewerb, der es nach wie vor mehr schlecht als recht schafft, seine Inhalte halbwegs nutzerfreundlich digital anzubieten. Auf explizite Beispiele sei hier verzichtet, die gibt’s da draußen ja mehr als genug.

Was die Großen dazu sagen:

Der Greis als Rebell | spiegel.de, Christian Buß
Opulent, geschmackssicher - und leider viel zu brav: Die “Zeit” hat ihre vor acht Jahren eingestellte Beilage als “Zeit-Magazin Leben” reanimiert. Das Heft bewegt sich jetzt zwischen Retro-Charme, Veteranentreffen und Personalisierungskult.

Das zweite Leben | taz.de, Stefan Kuzmany
Nach acht Jahren Pause liegt der “Zeit” ab heute wieder ein Magazin bei. Geleitet vom 33-jährigen Christoph Amend, verspricht das “Zeit-Magazin Leben” Verjüngung. Noch überwiegt das Altbekannte.

22.05.07

Quatsch!

Letzte Woche ist es passiert: In einem großen Hotel lümmelten einige Manager in ihren Sitzen und blätterten in den Zeitschriften, die dort herum lagen (okay, ich hatte einige unserer Kundenzeitschriften dazu geschmuggelt). Plötzlich sagte einer: "Das liest doch keiner." Die anderen stimmten übellaunig ein. Ich stand auf und trat zu der Gruppe. "Woher wissen Sie das?" fragte ich den Mann. Er sah mich erstaunt an und sagte wie aus der Pistole geschossen: "Meine Frau liest das auch nicht". Angesichts dieser empirischen Datenlage verschloss sich mir der Mund. Zugegeben, die besagte Zeitschrift war eher auf Frauen zugeschnitten. Da aber nach der nach mir benannten empirischen Untersuchung - die "Brixen-Methode" - (die auf deutlich mehr als neun Flügen mit der Lufthansa basiert) 90 Prozent aller sogenannten Männer nach der "Gala" oder "Bunte" schreien, schien mir der Herr zur richtigen Zielgruppe zu gehören. Ja, er hatte etwas Weibisches an sich. Wahrscheinlich hatte sich bei ihm vom vielen Blondinen-Bildchen-Gucken schon seine mickrige Männlichkeit komplett zurückgebildet. "Hören Sie", sagte ich etwas erregt, "diese Zeitschrift ist absolut professionell gemacht und wird von ihren Lesern geliebt". "Quatsch", sagte der (Blöd)Mann mit ziemlich hoher Stimme, "das liest keiner". Diesen Satz hatte ich schon öfter vernommen (fast immer in Kneipen und irgendwelchen Sitzungen), er bewirkt bei mir einen Pawlow'schen Reflex. Ich rollte die Zeitschrift zusammen und steckte sie dem lachenden Mann durch die wulstigen, weibischen Lippen in den Hals. Er sah jetzt ziemlich merkwürdig aus, rotgesichtig, schnaufte aus der Röhre und glotzte verdutzt seine Kumpels an. "Jetzt", sagte ich, "liest's keiner mehr".*
Wie sich herausstellte, war der Mann verantwortlich für die Kommunikation eines großen Unternehmens. Er hörte auf das Volk, er hörte auf seine Leser, er hörte auf seine Frau. Die war sein Volk. Und wenn seine Frau sagte: "Quatsch", dann sagte auch er "Quatsch". So funktioniert Marktforschung.

Ein Tipp: Falls man keine Frau hat oder keinen Mann, keine Freundin oder keinen Freund, kein Kind, keinen Verwandten, die man fragen könnte: Leihen Sie sich einen Partner aus. Es gibt mittlerweile professionelle "Quatsch"-Sager. Das sind meist alleinstehende BeraterInnen. Das Top-Modell kann auch so schlaue Sätze sagen wie: Die Rezeption medialen Contents der Rezipienten ist eventum zero.

Das ist natürlich alles Quatsch.
Sagt meine Frau ja auch immer.

* an dieser Stelle bin ich aus dem Traum erwacht.

15.05.07

Eine Million Blogs in Deutschland

Eine Untersuchung der „Communications Networks“ liefert endlich Aufschluss zur der viel diskutierten Frage, wie viele Blogs in Deutschland tatsächlich existieren. Eine Million der Deutschen Internetgemeinde führt ein eigenes Weblog, über 2,5 Millionen User konsumieren zumindest ab und zu Blog-Content. Mehr als 50 Prozent der Blogger sind zwischen 14 uns 39 Jahre alt, ein Drittel von ihnen hat ein abgeschlossenes Studium oder Abitur.

Etwas überraschend ist das Ergebnis, dass Zeitungen und Zeitschriften zu den bevorzugten Medien der Blogger gehören. Als beliebtestes Format werden Nachrichten- und Computermagazine genannt. Entwarnung also für alle Journalisten die sich bislang von den Bloggern allzusehr bedroht fühlten. Die hohe Magazinaffinität ist wohl ein Indiz dafür, dass professionell gemachte Inhalte weiterhin auch Themenlieferant für einen Großteil der Bloggosphäre bleibt.

Die Studie „Communications Networks (CN) 10.1 Trend“ basiert auf insgesamt 20.711 Befragungen, rund 1.000 davon werden monatlich durchgeführt.

Weiterführende Informationen zur Studie inkl. Download-Möglichkeiten gibt es hier.

10.05.07

Podcasts liegen voll im Trend

Die Nutzung von Podcasts nimmt stetig zu. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Marktforschungsagentur "House of Research" (siehe Grafik unten). Ein ähnliches Ergebnis lieferte die bereits Ende Januar veröffentlichte Studie von Hubert Burda Media Research in Co-Produktion mit dem Podcast-Pionier Alexander Wunschel. „Podcasting ist der neue Medienkanal der digitalen Generation. Dabei ist es keineswegs nur ein Medium für die Ohren. Es werden mehr und mehr auch Video-Inhalte konsumiert“, erläutert Alexander Wunschel die Entwicklung.

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Mehr als 70.000 Podcast-Angebote sind derzeit weltweit verfügbar. Der durchschnittliche Podcast-Konsum pro Woche und Nutzer beträgt ca. 4,5 Stunden. Der typische Hörer konsumiert regelmäßig etwa zehn Podcasts, wovon über dreiviertel reine Informationsformate sind. Mehr als 70 Prozent der Podcast-Nutzer haben das Medium erst in den letzten zwölf Monaten für sich entdeckt.

Hier schreiben Fachautoren über neue Trends und Entwicklungen des Corporate Publishing auf dem deutschsprachigen Markt.