Orientierungslos? Kaufen Sie sich doch eine Zeitschrift
Mehr als die Hälfte aller Zeitschriftenleser vertrauen auf Produktempfehlungen der Redaktion. Dies ergab eine Studie der TNS Emnid Medienforschung.
Eine aktuelle Studie der TNS Emnid Medienforschung analysierte jüngst in einer Stichprobe von rund 1.400 Rezipienten den Einfluss von Zeitschriften bei der Produktempfehlung. Mit 58 Prozent gaben mehr als die Hälfte aller Befragten an, grundsätzlich ein hohes Vertrauen in die Produktvorstellung von Redaktionen zu haben. Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer haben sogar schon einmal ein empfohlenes Produkt gekauft oder bestellt. Außerdem bringen über die Hälfte der Befragten Produktberichte und -empfehlungen regelmäßig in das Gespräch mit anderen ein. "Wir sehen, dass Beiträge und Empfehlungen in Zeitschriften tatsächlich zur Orientierung im Produkt- und Dienstleistungsmarkt genutzt werden. Wir können auch feststellen, dass diese Orientierung selbst dann noch funktioniert, wenn hinter redaktionellen Beiträgen oder Empfehlungen "versteckte Werbung" vermutet wird", so Claudia Knoblauch, Studienleiterin bei TNS Emnid.
Die Zeitschrift scheint also entgegen der unzähligen Online-Substitutions- theorien immer noch ein zentrales Element in der Meinungsbildung des Konsumenten zu sein.
Kommentare
Ich bezweifle, dass das auch für CP-Magazine gilt.
Posted by: Dominik Grau | 13.04.07 9:26
Hallo Dominik,
ich denke das kann man so pauschal nicht sagen. Die Studie ist für die Anwendbarkeit auf CP-Medien evtl. etwas zu undifferenziert, da magst du recht haben. Sind doch die meisten Rezipienten eines CP-Titels - zumindest im BtoC Bereich - bereits Kunde des publizierenden Unternehmens. Damit hängt die Glaubwürdigkeit weiterer im CP-Magazin empfohlener Produkte sehr stark mit der Erfahrung respektive der Zufriedenheit vorangegangener Produktkäufe zusammen. Bei einer starken Produktmarke mit hohen Qualitätsstandards könnte die Empfehlung innerhalb des Magazins damit durchaus einen noch höheren Kaufanreiz auslösen. Bei negativen Kauferfahrungen mit der Marke verhält es sich genau umgekehrt.
Ein dritter Aspekt der sicherlich für Neukunden eine Rolle spielt ist die Glaubwürdigkeit eines CP-Titels per se. Da haben unabhängige Magazine sicherlich einen Vorteil, weil sie zumindest vermeintlich uneingenommen in's Empfehlungsfeld ziehen können. Allerdings, wenn der CP-Titel gut gemacht ist und nicht als selbstbeweihräucherungspostille mißbraucht wird, kann er wohl auch durchaus Neukunden von seinen Produkten überzeugen.
Na, sind das Agrumente die dich zu einer differenzierteren Meinung bewegen? ;-)
Gruß
Thomas
Posted by: Thomas Escher | 13.04.07 10:39
Das ist der alte Kampf: Kioskpresse vs. CP ;-)
CP kann die Glaubwürdigkeitslücke verkleinern. Jedoch werden Kiosktitel immer die höhere Glaubwürdigkeit bestitzen; denn das ist schließlich ein wichtiger Grund, warum wir uns diese Titel kaufen.
CP kann überdies Empfehlungen geben und Orientierung bieten sowie als Reizverstärker fungieren - manchmal endet das auch in einer Reizverzerrung oder Reizminderung (wenn die CP-Botschaft unklar oder der CP-Titel schlecht gemacht ist). Die grundlegende Orientierung und breite Basisinformation jedoch obliegt in meinen Augen der Kioskpresse.
Posted by: Dominik Grau | 13.04.07 11:26
Kinners,
eine Debatte CP- vs. Kiosktitel ist doch viel zu kurz gesprungen. Meine evtl. nicht ganz überraschende Sicht der Dinge:
Die Glaubwürdigkeit jedweden Titels hängt von zwei Dingen ab...
1. von der Glaubwürdigkeit der Marke (des Titels) bei seinen Lesern. Dabei ist es ganz gleich ob es eine Zeitschriftenmarke (stern, Bild, Elle etc.) oder eine Unternehmensmarke (McKinsey, Deutsche Bahn, Müller etc.) ist, sondern nur wieviel Kompetenz ich ihr bei der Veröffentlichung eines Titels und der dort propagierten Themen zutraue.
2. von der handwerklichen Umsetzung. D.h. der markenadäquaten Auswahl und Umsetzung der Themen. Aber das Dinge handwerklich gescheit umgesetzt sein müssen um zu funktionieren, gehört ja zum Repertoire der Erkenntnise mit Querschnittsgültigkeit.
Die Diskussion um CP und Kiosk könnt ihr euch also schenken. (Sie würde ohnehin bereits an der Frage scheitern wo wir dann Kiosk-CP-Titel wie "McK Wissen" einzuordnen haben, oder?)
Und mit der frei gewordenen Zeit könnte man sich nun wieder der Kernthese des Postings zu widmen: Das Medium Zeitschrift ist enorm glaubwürdig. Die daraus resultierende Frage "Was hat Zeitschrift was andere Medien nicht haben?" würde mich ja mal interessieren...
Posted by: Lucas von Gwinner | 13.04.07 18:42