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Willkommen in der PR-Gesellschaft

"Wussten Sie, dass mehr als 40 Prozent des redaktionellen Contents einer Tageszeitung von PR-Agenturen stammen?" Mit dieser These eröffnete Volker Panzer am vergangenen Sonntagabend das ZDFnachtstudio zum Thema "Bullshit oder Wahrheit - Willkommen in der PR-Gesellschaft". Neben Sascha Lobo, deutscher Vorzeige-Blogger und Werbetexter, versammelten sich die PR-Beraterin Heike-Melba Fendel, die Journalistin Bettina Gaus und der ehemalige VW-Vorstand Klaus Kocks um Panzers elektrisches Kamin. Wer sich eine gewohnt ruhige, auf Etikette bedachte Diskussion vor kitsichgem Kaminfeuerambiente gewünscht hatte, wurde dieses Mal enttäuscht. Die Anwesenden Branchenvertreter lieferten sich einen erbitterten Grabenkampf und sparten nicht an Schuldzuweisungen als es um die Frage ging, wer den nun für die PR-Pandemie deutscher Presseerzeugnisse verantwortlich sei.

Vor allem der selbstreferenzielle PR-Experte Klaus Kocks sorgte in seiner gewohnt inszenierten und polemischen Art für mächtig Zündstoff. Ob und wie sehr einem die Selbstherrlichkeit des Spin-Doctors schmeckt sei dahingestellt. Inhaltlich allerdings brachte Kocks die Diskussion recht schnell auf den Punkt. Die deutsche Redaktionslandschaft ist latent unterbesetzt. Immer weniger Redakteure müssen eine immer größer werdende Flut an Informationen filtern. Automatisch greifen sie dadurch auf das Angebot von professionellen Kommunikations- und PR-Beratern zurück. "Die PR hat sich von einem Angebots- zu einem Nachfrage-Markt entwickelt", so Kocks.

Ein Schlag ins Gesicht für die hunderttausend investigativ arbeitenden Journalisten da draußen. Oder haben Sie schon mal einen Vertreter dieser Zunft getroffen, der seine Storys nicht ausschließlich auf exklusiv recherchierte, investigative Informantenauskünfte stützt? Eben.

Hier geht's zum Audiodownload der Sendung.
Den Videostream des ZDF finden Sie hier.

Übrigens, alleine das Intro, in dem Panzer Sigmar Gabriel als den „Pummel-Knut der Politik“ bezeichnet, ist hörenswert. Herrlich.

Weitere Infos zum Thema:
Interview mit Klaus Kocks in der Zeit Nr. 42, vom 12.10.2006
Interview mit Klaus Kocks, Spiegel-Online vom 17. Januar 2007
Blogpost von Heiko Hebig
Blogpost von Thomas Knüwer vom Handelsblatt-Blog
Blogpost Medienrauschen

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Wenn wir alle das Gleiche denken, denken wir nichts mehr.

Journalismus ist zu 95 Prozent eine schöne Illusion. Mit der man sogar Geld verdienen kann.

Oder so:

Journalismus ist zu 95 Prozent eine schöne Illusion. Weshalb man damit schon heute kaum mehr Geld verdienen kann.

Das ungefilterte Abpinseln von PR-Meldungen befördert den Relevanzverlust journalistischer Medien. Und damit ganz direkt auch die Existenzgrundlage derer die davon Leben wollen. Das macht es so tragisch.

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