« Der gebissene Kunde | Main | Willkommen in der PR-Gesellschaft »

Kampf dem Laissez-Faire!

Kennen Sie Nigel Slater? Vielleicht, wenn Sie gelegentlich den britischen Observer lesen. Für diesen schreibt Slater regelmäßig amüsante, kluge Beiträge zu Foodthemen. (Zumindest so weit ich das als dezidierter Nichtkoch beurteilen kann.) Slater hat schon einiges an Preisen abgeräumt. Bald könnte es wieder so weit sein. Der Autor ist nominiert für den Titel "Best writer of the year" der britischen "PPA Magazine Awards", dem Pendant zu unseren Lead Awards. Interessant dabei: Nominiert wurde Slater nicht für seine Observer-Kolumne, sondern für seine Arbeiten im Sainsbury's Magazine.

Womit sich die Frage stellt: Warum werden in Großbritannien Autoren von Corporate Magazines selbstverständlich bei regulären Medienawards berücksichtigt - und bei uns nicht? Weil die Qualität von CP-Texten durchgehend unterirdisch ist? Sicher nicht. In Magazinen wie den Stadtansichten finden sich definitiv preiswürdige Texte. Der Grund dürfte vielmehr der Fundamentalismus der deutschen Journalismus zu suchen sein. Corporate Publishing darf nicht gut, darf nicht preiswürdig sein, so die Dogmatiker.

Die Gefahr dabei: Die CP-Branche kann dies zu unnötiger Genügsamkeit verleiten. Nicht dem Wettbewerb mit den großen Publikumstiteln ausgesetzt, fällt es Kunden und Dienstleistern leichter, dem journalistischen Laissez-faire zu frönen, Qualitätskriterien zu vernachlässigen oder dem Wunsch nach unreflektiertem Eigenlob hemmungsloser nachzugeben.

Zumal die reinen CP-Awards oder Marketingauszeichnungen bei uns auch keine journalistischen Spitzenleistungen prämieren. Der BCP etwa belohnt gute Magazinkonzepte, aber keine guten journalistischen Einzelbeiträge. Warum eigentlich vergibt keiner einen Preis für die beste CP-Reportage, das brillanteste Interview, die witzigste Glosse oder die beste Fotografie in einem CP-Magazin?

TrackBack

TrackBack URL für diesen Eintrag:
http://www.blogs-hbm.de/cgi-bin/mt-tb.cgi/181

Kommentare

Hallo CP-Blog-Macher,

dies ist doch ein Blog. Ein Internet-Medium. Und da gibt es die interessante Möglichkeit Dinge zu verlinken. Leser die nicht so im Thema sind haben davon einen echten Mehrwert.

Falls also noch jemanden interessiert hat was Stadtansichten wohl sein könnten: Es ist das Magazin der Autostadt von Volkswagen.

PPA Magazine Awards, Lead Awards, Nigel Slater, CP-Awards, Sainsbury Magazine etc. würden sich auch den ein oder anderen interessieren. Aber das können Sie selber googlen.

Es grüßt der treue Leser,
Lucas von Gwinner

Ich halte nichts von verlinken.

Ich bezweifle das es sich dabei um eine Frage der Haltung handelt. Verlinkungen bzw. Quellenverweise sind in Blogs einfach Usus. Der Verzicht darauf entspricht in etwa dem weglassen der Paginierung in einer Zeitschrift. Das kann man natürlich auch machen, es ist dann aber entweder nicht mehr mediumsadäquat oder ein gewollter künstlerischer Bruch (mit all seinen Nachteilen beim Nutzwert).

Und damit hier kein falsches Bild vom rumätzenden Kommentator aufkommt: Das Thema dieses Postings finde ich wunderbar, mir ging es nur um einen handwerklichen Hinweis.

Kommentar schreiben

Hier schreiben Fachautoren über neue Trends und Entwicklungen des Corporate Publishing auf dem deutschsprachigen Markt.