Der gebissene Kunde
Alltag im Unternehmen: Die Preise sind zu hoch, die Qualität stimmt nicht mehr, der Druck nimmt zu, die Motivation ab, die Kunden rennen weg. Man ruft den Onkel Doktor, sprich den Unternehmensberater. Der setzt seine Kostenbrille auf, macht ein ernstes Gesicht und sagt: „Die Kosten sind zu hoch“. Wir erstarren in Ehrfurcht, denn darauf wären wir nie gekommen. Parole: Kosten runter! Wo? Natürlich erst mal bei der Kommunikation, genauer: beim Kundenmagazin. Das ist am einfachsten, denn man braucht in der Regel keine Leute entlassen. Und die Gefahr, dass Betriebsrat und Gewerkschaften für den Erhalt des Kundenmagazins auf die Straße gehen, ist so sicher wie der geschlossene Einmarsch der Armee von Papua-Neuguinea in Sibirien. Leider honorieren die Kunden die Sparbemühungen nicht, weil sie nix von Kosten verstehen. Denn trotz einiger Euro Einsparungen bei der Kommunikation rennen die Kunden weiter weg.
Vorschlag: Man sollte die ganze Kommunikation einstellen. Einem Vorstand, der dieses Ansinnen allen Ernstes geäußert hatte, habe ich die Frage gestellt, ob er denn noch mit seiner Frau spreche. Denn eigentlich könnte er sich die Kommunikation ja sparen, wie im Unternehmen. Das sei etwas völlig anderes, erwiderte er mir barsch, schließlich mag er ja seine Frau und will sich mit ihr austauschen. Aha, habe ich gesagt, Ihre Kunden mögen sie dann also nicht? Natürlich, so seine Antwort. Und? Wie sagen Sie ihnen das? Gestottert: „Über unsere guten Produkte“. Prima, sage ich, dann habe ich eine tolle Idee: Schreiben Sie auf jedes Produkt: Kunde, ich liebe Dich!
Okay, das ist bei einem Versicherungsprodukt oder einem Pfund Hackfleisch etwas schwierig.
Aber beeilen Sie sich bitte, denn den Letzten (Kunde) beißen bekanntlich die Hunde.
Kommentare
Genau so ist es. Und so auch: Jeder spricht, wo alle sprechen. Wer aber dort spräche, wo die anderen schweigen, dem würde ein Flüstern genügen.
Anders gewendet: Frauen und Kunden besser nicht anschreien.
Posted by: Stephan Tiersch | 13.04.07 15:27