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28.02.07

PDF-Magazine - Top oder Flop?

Der Gestalter Rainer Berg stellt seit kurzem seine gesammelten PDF-Magazine auf dem Portal pdf-mags.com vor. Jan Tißler, der selbst gerade dabei ist ein eigenes PDF-Magazin als "Low-Budget-Projekt" auf die Beine zu stellen, hat mit ihm unter anderem über die Zukunft von PDF-Magazinen gesprochen.

"Die Zukunft von PDF-Magazinen sieht meiner Meinung nach gut aus, ist es doch ohne großen Kapitaleinsatz möglich ein eigenes Magazin auf die Beine zu stellen", so Berg. Die Faszination des Mediums liege vor allem in seiner sehr einfachen Verbreitung und Darreichungsform. Bestehe doch die Möglichkeit, die Inhalte entweder am Bildschirm zu lesen, oder aber in der selbst ausgedruckten Variante des Magazins zu blättern. "Das Potential von PDF-Magazinen ist noch lange nicht ausgeschöpft. Ich vermisse derzeit allerdings interaktive Elemente, Filme und Töne, die auch ihren Platz im PDF finden können, wobei man Töne natürlich nur schlecht drucken kann", so Berg weiter.

Richtig. Genau aus diesem Grund wage ich zu bezweifeln, ob interaktive PDF-Magazine, gespickt mit Inhalten jeglicher Gattungsform, eine Zukunft haben. Denn der primäre Vorteil dieser Form von Inhaltsverbreitung liegt meines Erachtens genau in der von Berg zuvor angesprochenen Darreichungsform. Ein rein statisch aufgebautes PDF überlässt es dem Leser selbst, ob er das Magazin in seiner Mittagspause am Bildschirm durchklickt, oder dessen Inhalt auf dem abendlichen Heimweg in der U-Bahn gedruckt konsumiert. Sobald sich allerdings Voicefiles und Filme im Magazin finden, wird dem Leser diese Entscheidungsfreiheit genommen und er sieht möglicherweise gänzlich davon ab das Magazin weiter zu lesen.

Außerdem bin ich davon überzeugt, dass für die Kombination von Print- und Multimediainhalten so genannte eZines - also flashbasierte, blätterbare eMagazine - das bessere Trägermedium sind. Erstens ist die Netzabdeckung von Flash um einiges höher als die des PDF-Readers, zum anderen sind die interaktiven und multimedialen Darstellungsformen auf flashbasis viel facettenreicher als in dem doch eher statischen PDF-Format.

Fazit: PDF-Magazine haben durchaus ihre Daseinsberechtigung und bieten sicherlich noch einiges Entwicklungspotenzial. Allerdings nur, wenn sie ihren Vorteil der Offline-Verfügbarkeit beibehalten und auch am Bildschirm eine einfache, möglichst lineare Leseform garantieren.

Weitere PDF-Magazinprojekte:

metamac magazin, ist ein digitales Wochenmagazin für Apple-Fans und erscheint jeden Montag neu zum Preis von 99 Cent.

Der Trüffeljäger, war eines der ersten, professionell gemachten PDF-Magazine in Deutschland. Leider wurde das Projekt im Herbst letzten Jahres eingestellt.

Focus-Campus, ist Deutschlands erstes wöchentliches PDF-Magazin für Studierende.

suchradar, ist das Fachmagazin für Suchmaschinen-Marketing

Wenn ihr weitere Beispiele habt, nur her damit!

26.02.07

Bürgerjournalismus jetzt auch Offline

In Onlineredaktionen wird sie schon länger diskutiert. Die Auswirkung des Bürgerjournalismus auf professionelle Verlagspublikationen. Vor allem die interaktiven Features des Web 2.0 füttern diese Diskussion stetig mit neuem Zündstoff.

Im Printbereich dagegen hatte man bisher andere Sorgen. Beispielsweise die, dass immer mehr „Content“ in die "neuen Medien" abwandert und dadurch bittere Erlöseinbrüche hingenommen werden mussten - Stichwort Rubrikenanzeigen. Dass der journalistisch interessierte Bürger auch auf diesem Kanal einmal Konkurrent im Bereich der Inhaltserstellung werden würde, daran glaubte wohl niemand. Wurde diesem doch bisher höchstens die Lufthoheit über Such- und Geburtstagsanzeigen überlassen. Wahrscheinlich war das auch gut so. Aber durch die Medienkonvergenz bekommt der Leser jetzt auch hier die Chance, sich aktiv an der Erstellung einer Publikation zu beteiligen.
Wie das funktioniert zeigt das Konzept von myheimat, ein Wochenmagazin, das mittlerweile in 17 Kleinstädten Süddeutschlands erscheint und komplett von Bürgerjournalisten produziert wird. "Im myheimat-Magazin wird gedruckt, was Sie schreiben und fotografieren", verspricht der Begrüßungstext auf der Website. Neben dem Printmagazin versorgen die "Hobbyjournalisten" natürlich auch die Website mit ihren Inhalten.

Der kritische Leser stellt sich an dieser Stelle zu Recht die Frage, ob diese Art von Journalismus künftig die Arbeit von professionellen Lokalredakteuren ersetzt. Ich denke soweit wird es nicht gehen. Aber wer sich das Magazin genauer anschaut wird merken, dass die Qualität der Inhalte durchaus mit jedem regionalen Wochenanzeiger mithalten kann. Wie gut die Idee ist beweist übrigens auch die Tatsache, dass die Verleger von „myheimat“ bereits seit Projektstart eine schwarze Null schreiben. Die weitere Entwicklung bleibt sicher spannend.

15.02.07

2015

Wie sieht die Medienlandschaft im Jahr 2015 aus? Gibt es noch klassische Verlagshäuser oder spielt sich die Publikation relevanter Inhalte bereits weitestgehend im Netz ab? Was passiert mit den klassischen Medien, wenn Blogs mit Such- und Shoppingsites kombiniert werden? Der Film "Google Epic 2015" gibt einen Ausblick auf diese Fragen, der durchaus realistisch scheint.

Das Original stammt von den US-Produzenten Robin Sloan und Matt Thompson. Die deutsche Fassung wurde von der aperto AG in Berlin produziert. Bereits Mitte März letzten Jahres veröffentliche die taz den Sprechertext des Films. Der Streifen ist also nicht brandneu, aber dennoch hochaktuell. Sowohl inhaltlich als auch dramaturgisch ein wirklich sehenswertes Werk. Wie erfreulich seine Message tatsächlich ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

13.02.07

Loseblattsammlung - ein interessantes Trägermedium

Gerade noch wurde hier äußerst konträr über das Für und Wider von monothematischen Heftkonzepten diskutiert, da fällt mir dieses Fundstück in die Hände. Philipp Zurmöhles Konzept für eine Loseblattsammlung.

"Eine Ausgabe des Magazins enthält ca. 30 Artikelseiten, die der Leser dann nach Belieben sammeln und ordnen kann. Nach und nach legt er sich so ein Archiv an Inspirierendem an. Der Inhalt reicht von Naturphänomenen über Reiseberichte bis hin zu Interviews mit Gestaltern. Die Einzelseiten sind hinten klar informativ und vorn illustrativ frei gestaltet", so Philipp Zurmöhle über das Konzept im Rahmen seiner Diplomarbeit.

Eine wirklich schöne Idee, die sicher im Grundsatz nicht ganz neu ist. Aber das Konzept, jedes Thema lediglich auf einer Seite - doppelseitig bedruckt - zu platzieren, hat schon eine gewisse Einzigartigkeit. Stellt sich also die Frage, ob das nicht ein schönes Trägermedium für ein nicht monothematisches Magazin wäre. Die Macher publizieren interessante, facettenreiche Themen und der Leser sammelt individuell nach seinen Interessensgebieten. User-collected-Content sozusagen. Hätte doch was, oder?

via Gwinner-Blog

9.02.07

Corporate Content goes mobile

"Pressematerial per Handy, Analystenbriefings auf dem Palm und Mitarbeiterinformation per i-mode - ist das bloß Zukunftsmusik oder handelt es sich kurz- und mittelfristig um realistische Anwendungen der Mobilkommunikation?"

Dieser Frage gingen die Kommunikationsberater von PLEON nach und kommen zu folgendem Fazit:

"Insgesamt gilt für "Mobile Corporate Communications:" Der Nutzer sollte Spaß daran haben und durch die Services wirklichen Mehrwert in Form von wichtigen Informationen, Zeit- oder Geldersparnis erhalten. Dann hilft es auch der Unternehmensmarke."

Das ist doch keine bahnbrechende Erkenntnis werden Sie jetzt sicher sagen - und - das ist doch keine Aussage, die nur exklusiv für die mobile Unternehmenskommunikation zutrifft. Schließlich sollte jegliche Information die Unternehmen ihren Kunden bieten ein Mehrwert sein. Stimmt. Aber leider gibt es Branchenvertreter, die das nicht so sehen. So schreibt Sandra Simon in der CP-Lounge diesen Kommentar zur PLEON-Studie.

Das stimmt mich irgendwie bedenklich. Nein, nicht die Tatsache das die Tragweite der mobilen Kommunikation in Frage gestellt wird. Sondern die hier offensichtlich vorherrschende lineare Betrachtungsweise: Printmagazin heute ist gleich blätterbares Handyformat morgen. Blätterbare Handyformate bieten kaum Platz für gehaltvolle Inhalte, folglich ist mobile Kommunikation für Unternehmen irrelevant.

Dieses Szenario, und da gebe ich der Kollegin völlig recht, wäre mehr als zum Heulen. Natürlich braucht es künftig Formate, die adäquat auf das jeweilige Medium abgestimmt sind. Und ganz sicher wird auch mittelfristig niemand mehrseitige Magazingeschichten auf seinem "digital device" lesen. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass in Zukunft immer mehr Unternehmensinformationen digital distribuiert werden. Und das ist auch gut so. Damit passen sich die Unternehmen lediglich an die veränderten Lebens- und Nutzungsbedienungen ihrer Mitarbeiter und Kunden an. Dieser Realität müssen sich alle Kommunikatoren künftig stellen. Warum? Diese Frage beantwortete Richard Parsons, Chef von Time Warner, kürzlich in einem Handelsblatt-Interview:

"Warum starben die großen Eisenbahngesellschaften? Sie glaubten, sie wären im Eisenbahngeschäft. Tatsächlich waren sie aber im Transportgeschäft. Wir versuchen, diese Fehler nicht zu machen. Wir sind daher nicht im Magazingeschäft, sondern im Verlagsgeschäft."

Ich hoffe die Kollegin überdenkt ihre Meinung nochmal, sobald die Tränen getrocknet sind.

5.02.07

Sind Blogger Journalisten?

Eine Frage die immer wieder auftaucht und die äußerst konträr diskutiert wird.
Gerade wieder einmal im Handelsblatt-Weblog von Thomas Knüwer. Allerdings ist man sich hier diesmal ungewohnt einig:

"...das Blog ist nur das Medium, in dem ein Beitrag steht. Auch in Blogs können recherchierte Beiträge, Interviews und sonstige Darstellungsformen stehen. Ich finde diese Diskussion auch unsinnig. Letztlich zeigen doch Blogs wie dieses hier, dass ein Journalist auch ein Blogger sein kann und umgekehrt. Der Journalist kann unter Umständen durch seine Arbeit und Verbindungen aus einem Thema noch mehr machen, als das ein "normaler" Blogger könnte", so die scharfsinnige Erläuterung eines Kommentatoren.

Auch Jan Tißler vom digitallife blog ist ähnlicher Meinung:

"...natürlich sind Blogger Journalisten. Es gibt gute und schlechte Blogger, talentierte und untalentierte, interessante und langweilige. Ebenso gibt es gut und aufwändig gemachte Blogs und hingeschluderte Blogs. Es ist einfach nur ein Medium, eine Art, Inhalte zu verbreiten, was man daraus macht, bleibt dem Autor überlassen."

Dieser Kommentar trifft meines Erachtens genau den Kern der Diskussion. Ausschlaggebend für die Qualität eines Blogs ist der Anspruch der Autoren, journalistisch gut recherchierte und sauber formulierte Inhalte zu veröffentlichen. Es ist sicher richtig, dass diesen Anspruch nur die wenigsten Blogger teilen. Laut einer Studie der Netzeitung sogar lediglich fünf Prozent. Vermutlich sind es aber gerade die fünf Prozent, die innerhalb der Blogosphäre wahrgenommen werden. Würde im Umkehrschluss bedeuten: Nur derjeinige der seriös, verständlich und ambitioniert blogt, findet Gehör im digitalen Kommunikations-Wirrwarr. Die Frage ob Journalist oder nicht beantwortet also nicht das Medium, sondern der Anspruch der Macher. Obwohl, das würde ja bedeuten, dass die "Schreiberlinge" der vielen unambitionierten Magazine da draußen gar keine Journalisten sind. Vielleicht sollte ich darüber mal nachdenken.

Hier schreiben Fachautoren über neue Trends und Entwicklungen des Corporate Publishing auf dem deutschsprachigen Markt.