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29.01.07

Länger leben durch gutes CP

Auch große Marken müssen sterben. Es sei denn, sie werden von einem äußerst wirkungsvollen Unternehmens-Magazin getragen. Dann besteht zumindest die Möglichkeit, dass sie schnell wiederbelebt werden können. Dass dem so ist, zeigt das Beispiel der Schuhmarke „Salamander“. Im September 2004 noch kurz vor der Insolvenz betreibt das Unternehmen heute wieder mehr als 60 Filialen in Deutschland und arbeitet intensiv an seiner Expansion auf dem indischen Markt.

Dieser schnelle Turnaround begründet sich durch die hohe Markenbekanntheit der Schuhkette, die sie in den 60er und 70er Jahren mit dem Unternehmens-Comic „Lurchis Abenteuer“ erreichte. Eine ganze Generation ist mit den Geschichten des pfiffigen Feuersalamanders aufgewachsen. Dadurch wurde ein Markenbewusstsein geschaffen, dass bis heute anhält. Nach eigenen Angaben von „Salamander“ erzielt in Deutschland im Segement der Schuhmarken nur „Adidas“ eine höhere Markenbekanntheit. Ein schlagkräftigeres Argument für gutes Corporate-Publishing gibt es wohl nicht. Allerdings ist dieser Effekt nicht mit einem Magazin zu erzielen, dass bereits nach den ersten fünf Ausgaben wegen zu geringem „Return on Communication“ wieder eingestampft wird. Clevere, nachhaltige Unternehmenskommunikation braucht eine gewisse Zeit, um sich entfalten zu können. Hat das Konzept aber erst gegriffen, trägt es länger als jede andere Marketing-Kampagne. Oder kennen Sie ein Beispiel einer anderen Marketing-Disziplin, die ähnlich anhaltende Erfolge erzielt hat? Nicht. Na dann bleibt mir wohl nur noch zu sagen: „Und lange schallt’s im Walde noch, gutes CP es lebe hoch.“

via brandeins

24.01.07

Heute nur ein Thema

Ich mag keine monothematischen Magazine mehr. Magazine sind im besten Fall eine Sammlung von Geschichten über das Leben. Aber das Leben ist nicht monothematisch. Zum Beispiel sind im realen Leben nicht alle Frauen dunkelhaarig, außer in Italien. Und deshalb pfeifen die italienischen Männer den blonden Frauen hinterher.
Vielleicht ist genau das die Motivation, monothematische Hefte zu machen: Wenn schon das Leben kompliziert ist, macht man wenigstens das Lesen einfach. Man schreibt nur ein Wort auf die Titelseite und der Käufer weiß, was er kriegt – oder vielmehr, was er nicht kriegt. Der Plan geht auf, die Hefte sind beliebt. Es sind Nachschlagewerke, in einem Wort ist alles enthalten. Heute ist „Mobilität“ dran und morgen „Monogamie“. Und irgendwann macht ein ganz ein Schlauer ein Heft zum Thema „Monothema“. Und der Leser freut sich, wie gut man diese Magazine sammeln kann, sogar alphabetisch.
Ich behaupte auch, dass diese Magazine leichter zu machen sind. Assoziativ umkreisen Redakteur und Art Direktor das Thema M nach Schema F. Ein Prozess mit Erfolgsgarantie. Das Ergebnis sind kleine Ausschnitte des Lebens, auf komplizierte Zusammenhänge kann verzichtet werden. Bei einem Magazin zum Thema „italienische Frauen“ ist die Recherche überschaubar. Machen Sie mal eins zum Thema „Frauen und Männer dieser Erde und alles was sich zwischen ihnen abspielt“. Ich würde es lesen.

18.01.07

Media-Marketing? Ich bin doch wohl blöd!

In den Unternehmen geht die Angst um. Angst, dass die Verantwortlichen in den Bereichen Marketing/Kommunikation nicht mehr in der Lage sind, Kommunikationsdienstleistungen selber einzukaufen. Jawoll, das ist der Fall. Jetzt sind die wahren Profis am Zuge: Die Einkäufer. Die verstehen zwar nix von Kommunikation, dafür umso mehr von Rabattschlachten. Und das geht so: Am Morgen kauft der Herr Chefeinkäufer 10.000 Rollen Klopapier, 100.000 Bleistifte, 15.000 Aktenordner, 21.000 Radiergummis aus China ("knallhart verhandelt") und nachmittags noch schnell 5.000 Taschenrechner, ein Kundenmagazin und 1.500 Pakete Kopierpapier. Das Kundenmagazin ordert er per Bestellschein, den alle Anwärter ausfüllen müssen, z.B. "Beschaffenheit und Struktur der Ware: Hart, mittel, weich" oder "vierlagig, dreilagig, zweilagig oder einfach". Da kommen wir ins Grübeln, aber zu dem Schluss, dass "vierlagig" wohl ein Schreibfehler ist und es "verlagig" heißen müsste. Wir sind nicht "agenturlich". Irgendwie beschleicht uns das Gefühl, dass es dem Einkäufer nur auf Menge und Preis ankommt, egal was drin- oder draufsteht.

Das Ausfüllen der vielen hübschen Felder macht jedenfalls Spaß. Das Verfahren ist prima, denn jetzt brauchen wir Publisher nicht mehr mit den Marketingleuten über den Aufwand diskutieren, der z.B. für eine exklusive Reportage notwendig ist, und die Marketingleute brauchen sich mit uns nicht mehr über die strategischen Zielstellungen, das Wording (toller Begriff!) und ihr CD auseinandersetzen. Der Herr Chefeinkäufer besteht darauf, dass der Druck nicht auf 90g-Papier (gestrichen!) erfolgen sollte, sondern auf maximal 15g. Allerdings zweilagig, sonst gibt's zu hohen Durchschuss. Der Marketingleiter bricht schweigend zusammen.

Wir schreiben einfach Folgendes: "Wir drucken gerne auf Klopapier. Da kann Ihr Kunde bei seinen Sitzungen die tollsten Nachrichten und Stories lesen und zwar bis zum Ende der Rolle. Er wird ständig nach neuen Rollen lechzen und beschließen, sein Leben nur noch auf'm Klo zubringen zu wollen. Und Sie können immer mehr Rollen verkaufen. Ist das nicht toll?"

Unser Klopapier ist übrigens saubillig und beidseitig verwendbar (100%iger Mehrwert)! Der Erfolg liegt klar auf der Hand, Herr Chef-Einkäufer!

12.01.07

Wann ist ein Layout fertig?

Ein Layout ist für mich fertig, wenn der Kunde es freigegeben hat. Das ist fatal, denn oft ist es dann eher kaputt als fertig. Gestalten ist ein Prozess, der im Kopf stattfindet. In meinem Kopf. Und da drin hat kein anderer etwas zu suchen. Aber der Kunde hat selber einen Kopf, in dem er sucht, und er findet tatsächlich eine Idee, die ich gleich zu Anfang aus gutem Grund verworfen hatte. Es ist nun seine Idee und seine Idee wird zum Entwurf, denn wer zahlt, schafft an.
Mit seinem Entwurf in meinem Kopf gehe ich Abends zum Italiener und bestelle zum Beispiel Ravioli. Gefüllt mit Ricotta. Oder mit Spinat. Gefüllt mit irgendetwas, das sich der Koch ausgedacht hat. Ich probiere und lasse die Nudeln zurückgehen. Der Teig ist gut, aber ich hätte doch lieber eine andere Füllung. Vielleicht diese Gewürzpaste, wie ich sie gestern beim Libanesen hatte. Und einen anderen Teller. Nein, nicht einen neuen, einen anderen. Vielleicht einen mit dem Muster, das ich neulich bei Mutzen¬hardts auf den Badfliesen entdeckt habe. So aus den Siebzigern. Haben Sie nicht? Na hören Sie mal: Wer zahlt, schafft an. Also, bitte die Ravioli aufschneiden und libanesische Füllung rein. Libanesische Füllung haben Sie nicht? Dann bitte den Salat, den der Nebentisch gerade bekommen hat. Ja, als Füllung. Mir doch egal, dass ein Koch vielleicht genau diese Idee aus guten Gründen bereits verworfen hatte und dass der sein Handwerk gelernt hat, interessiert mich ebenfalls nicht, schließlich habe ich auch Geschmack. Wussten Sie, dass Rabioli „Reste“ heißt? Manchmal komme ich mir wirklich vor wie ein Reste¬verwerter. Fremde Geschmacks¬reste aus dem Kunstunterricht von vor zwanzig Jahren werden in meine Layouts gerührt. Und ich soll dann der Geschmacksverstärker sein.
Besser wäre es, frei zu sein. Frei und radikal wie der amerikanische Künstler und Kunsttheoretiker Ad Reinhardt. Der stellte 13 Regeln für Künstler auf. Er verlangte unter anderem, ein Künstler solle den Pinsel gar nicht erst zur Hand nehmen, bevor er nicht das komplette Bild im Kopf hat. Vielleicht ist es vermessen, diese Regel auf uns Grafikdesigner anzuwenden, doch lässt sich damit der ideale Prozess des Gestaltens beschreiben: Wir denken nach, bevor wir uns für einen Entwurf entscheiden. Bereits im Hirn werden die Layout-Zutaten verkocht: Bilder, Buchstaben, Farben, Weißräume und – Erfahrung. Natürlich kommt es vor, dass sich der Kunde zu recht beschwert – auch wir sind mitunter verliebt und versalzen ein Layout. Aber muss er deshalb gleich die ganze Zeit in der Küche stehen?
Wann also ist ein Layout fertig? Die Antwort: Solange es nur in meinem Kopf existiert. Ad Reinhardts letzte Bilder sind einfach nur schwarz. Das bringt mich auf eine Idee.

8.01.07

Online oder Print?

Nach vielen Gesprächen, die ich in den letzten Wochen mit CP-Kollegen aus anderen Verlagen geführt habe, ist mir eines ganz klar geworden: Unsere Branche steht im Jahr 2007 vor einem echten Wendepunkt. Nachdem wir in den vergangenen Jahren eine starke Qualifizierung aller Print-Gattungen erzielt haben, werden wir inzwischen von einer Vielzahl neu formierter Online-Agenturen attackiert, die aus erfolgreich eingeführten Kundenzeitschriften sogenannte E-Journals oder E-Magazines machen wollen – an den CP-Verlagen vorbei. Bei uns vergeht derzeit nicht eine Woche, in der nicht einer unserer Kunden mit fragwürdigen Angeboten attackiert wird. Die Akquise-Formel lautet immer gleich: „Warum kommunizieren Sie noch auf Papier? Wenn Sie Ihr Magazin online bereitstellen, erreichen Sie erheblich mehr Adressaten und sparen obendrein noch Unsummen bei Druck und Versand.“ Das ist nicht ganz falsch, aber unter Aspekten des in unserer Branche vieldiskutierten Community-Publishings geht es vielmehr darum, das eine zu tun ohne das andere zu lassen. Im Klartext: Wenn der Kunde unseres Kunden ein Print-Magazin verlangt, soll er in der Wertschätzung des Unternehmens auch eines bekommen. Kommuniziert er lieber online, dann lässt sich leicht auf Basis der Printversion ein E-Journal bereitstellen. Für CP-Dienstleister ist dies nicht nur ein neues attraktives Geschäftsfeld, mit dem sich Print obendrein langfristig stabilisieren lässt, sondern auch eine Möglichkeit lästige Angreifer in Schach zu halten. Wer jetzt nicht schnell genug Know-how bei Online-Magazinen aufbaut, wird auf der reinen Printschiene schnell aufs Abstellgleis fahren.

Nenn mich nicht Agentur

Nenn mich nicht Agentur, Kunde! Nenn mich Verlag, dann ist Ruhe. Oder ist für Dich der Konditor Bäcker, die Masseurin Masseuse? Gerade Dir war es doch noch wichtig , Mobilfunkanbieter und nicht Telefongesellschaft genannt zu werden? Und wie bist Du mir über den Mund gefahren, weil ich Drogerie zu Dir sagte und nicht Drogeriemarkt. Bei mir forderst Du ein Unterscheidungsvermögen, das Du mir verweigerst. Denn Unterschiede sind: die Masseurin hat im Unterschied zur Masseuse mehr als nur einen Muskel im Griff. Und im Gegensatz zur Agentur schickt der Verlag nicht den Vertreter, sondern den Vertrauten als Überbringer der Botschaft ins Haus. Der nimmt sich Zeit, schätzt die längere Form. Er schreit nicht , sondern erzählt, komponiert Geschichten in Wort und Bild, sauber recherchiert, auf den Punkt gebracht. Journalisten, keine Werbetexter, arbeiten in diesem Verlag, der auch der Deine ist. Journalisten, die ebensogut für Focus und Freundin, für Elle oder Spiegel schreiben könnten. Darauf bin ich stolz. Und deshalb möchte ich das nicht mehr von Dir hören: „Sie als unsere Agentur müßten doch wissen, daß...“, oder: „Die zum Pitch aufgerufenen Agenturen werden gebeten, ihr Angebot bis zum....“. Richtig ist: „Sie als unser Verlag...“, oder wenn es unbedingt sein muß: „...die zum Pitch aufgerufenen Verlage und Agenturen..“. Soviel Zeit muß sein.! Und wer es partout nicht lassen kann mit der Agentur, der soll mich auch wie eine Agentur bezahlen. Für jede keine Änderung, für jedes ausgetauschte Bild, für jedes neue Editorial: viel Schmerzensgeld.

F&E für CP-Dienstleister

Forschung und Entwicklung ist ein Feld mit dem die Deutsche Industrie groß und wiederholt zum Exportweltmeister geworden ist. Jeder kleine Automobilzulieferer, jeder Werkzeugmaschinenbauer selbst in finsterster Provinz, verfügt über ein schlagkräftiges F&E-Team, das sich dem rauer werdenden internationalen Wettbewerb mit klugen Innovationen stellt. Warum gibt es solche Teams nicht in der Medienbranche? Der CP-Markt hat in vielen Bereichen heute die Qualität und den Idenreichtum vieler traditioneller Verlage in den Schatten gestellt. Was alljährlich beim BCP-Award eingereicht wird, hat zu einem Großteil nicht nur mit dem Kiosk gleichgezogen, sondern in seiner Spitze viele der im Mainstream segelnden Publikationen überholt. Wir sollten uns aber mittelfristig nicht in die gleiche Sackgasse begeben, wie viele der heute taumelnden Fachverlage. Viele von ihnen haben über Jahre satt verdient, aber zu keinem Zeitpunkt innoviert und müssen heute die Quittung dafür bezahlen. Die Folge ist ein anhaltendes Mediensterben. Wenn wir in der CP-Branche unseren Qualitätslevel halten – oder besser gesagt, noch steigern – wollen, dann müssen wir Forschung und Entwicklung stärker instrumentalisieren. Es wird künftig nicht mehr ausreichen mit einsamen Ideen eines klugen Art-Direktors und eines ebenso schlauen Journalisten unsere Kunden zu beglücken. Dafür sind die Anforderungen an ein multimediales Corporate Publishing mit Feldern wie E-Journals, Podcast, Vodcast und Mobil-Kommunikation unter Berücksichtigung unterschiedlichster Communities zu hoch. Um nicht die gleichen Fehler zu machen wie viele Fachverlage sollten die CP-Player stärker Forschung und Entwicklung institutionalisieren. Mir ist klar, dass dies bei kleineren Mannschaften nur schwer möglich ist. Aber allein kontinuierliche Innovationsmeetings mit den ideenreichsten Kollegen in Verbindung mit einer konsequenten Marktbeobachtung – national wie international - können da manchmal schon Wunder bewirken.

Schwierige Grenzgänge

Einer der von Kulturkritikern meistgehassten Orte der Welt ist das kleine Städtchen Celebration, südlich von Orlando. Der Grund: Mit seinen rund 20000 Einwohnern ist Celebration ein urbanes Kunstprodukt. Gegründet hat die Kleinstadt 1996 der Disney-Konzern. Celebration ist eine urkonservative Mustersiedlung - ohne städtische Probleme, ohne Drogen, Kriminalität, architektonische Katasprophen (es sei denn, man empfindet die banale Kuschelarchitektur des Ortes selber als Katasprophe).
Wenn ein solcher Ort eine Zeitung herausbringt, die "Celebration Independent" heißt, dann irritiert dies. Und tatsächlich ist der Celebration Independent natürlich alles andere als independent. Die Zeitung stellt eine Hymne auf die Lebensweise des Ortes dar, vor allem auf die Idee der aktiven "community". Das ist durchaus legitim und auch sinnvoll, denn ein städtebauliches und gesellschaftliches Konzept wie die Idealstadt Celebration muss erklärt werden. Hierzu können Medien dienen. Aber: Da Celebration keine auf Basis urbaner Vielfalt gewachsene Stadt ist, sondern eine Gründung des Hauses Disney, kann die Zeitung gar nicht unabhängig sein - und sollte dies auch nicht von sich behaupten. Die Zeitung ist ein Corporate Publishing-Objekt. Das Versprechen, das Ding sei in irgendeiner Weise "independent", wirkt absurd. Celebration ist schon als Stadt ein schwieriger Grenzgang. Die Zeitung ebenso. Mit dem Titel "Celebration Independent" liefert die Stadt ar! gumentatives Futter für jene, die Celebration als pure Simulation kritisieren. Die Unabhängigkeit im Titel der Zeitung ist tatsächlich die reine Simulation.
Überhaupt gehört die Titelfindung zu einer der schwierigeren Aufgaben des Corporate Publishing. Die Lösung, Unternehmen X nennt sein Magazin X Magazin, ist einfach, aber wenig originell. Gern verwendete Blasen à la "Visionenakzentehorizonteaspekte" machen auch irgendwie Sinn, wirken aber doch eher blumig-blass. Sinnvoller ist, sich zu überlegen, worin die einzigartige Positionierung eines Magazins besteht, und diese pointiert zu artikulieren. Beispiel: "Mare", das Magazin über das Meer.

Der Pitchbull

Heute schon gepitcht? Unternehmen haben einen neuen Trend entdeckt: Pitches sind viel amüsanter und kurzweiliger als interne Meetings und Besprechungen. Man lässt ein paar Kontrahenten gegeneinander antreten und schaut zu, wie sie sich gegenseitig zerfleischen. Natürlich nicht physisch, sondern im Fernduell. Die Waffen sind die Preise. Der Billigste gewinnt. Das finde ich ziemlich sozial, denn dann gewinnen auch mal echte Schwächlinge, die sonst nix auf der Brust haben. Und die Unternehmen? Na, die freuen sich, dass sie nun wieder neue Erkenntnisse eingesäckelt haben, picken sich aus allen Präsentationen das Beste heraus und machen's selber. Oder über ihre Spez'ln von der Hausagentur. Oder über den "Neuen" (Agentur/Verlag), der per Preis-Biss in die Konkurrenten-Wade den Pitch gewonnen hat. Natürlich bekommt er einen Vertrag nur dann, wenn er mit den Preisen noch mal 10 Prozent "runter geht". Das verhandelt das Unternehmen gerne "nach". Und genau so sieht die Kommunikation des Unternehmens aus: Billig!

Vertriebsunterstützung durch CP

CRM ist zwar in die Jahre gekommen, aber noch immer das dominierende Thema für viele Unternehmen. Doch die meisten CRM-Ansätze beinhalten gar nicht die angestrebte "Integration aller Prozesse vom und zum Kunden". Sie bedeuten nicht mehr und nicht weniger als eine erweiterte Vertriebssteuerung à la Computer Aided Selling.
Um ein CRM zu erreichen, das wirklich von allen Seiten beim Kunden ankommt, müssen wir die Kundenkommunikation des Marketing näher an die operativen Geschäftsbereiche heranrücken. Vertrieb und Marketing müssen gemeinsam einer CRM-Strategie folgen. Hier können die Kundenmedien des CP eine führende Rolle spielen. Ich spreche von Customer Relationsship Communication (CRC). Bei CRC beschränkt sich das Corporate Publishing nicht auf Kundenzeitungen, Imagepflege und Markenstärkung. Vielmehr hilft CP auf dem Fundament einer integrierten Datenbank mit, nach neuen Kunden zu suchen, Interessenten anzusprechen, Bedarfe und Profile abzuklären und auch direkt Umsatz zu generieren. Das Corporate Publishing wird durch CRC zum Katalysator für den Schulterschluss von Marketing und Vertrieb. Hier liegen bei den deutschen Unternehmen noch grosse Reserven brach.

Wettbewerbs-Ausschlussklausel

Eines der größten Ärgernisse in den letzten Wochen des alten Jahres war für mich die selbst erlebten Debatten um das Thema Wettbewerbsausschlussklausel. Sicherlich haben auch andere CP-Mitstreiter es schon erlebt: Man wird zu einem Pitch geladen, gewinnt diesen womöglich mit erheblichen Aufwand, um dann einen Vertrag vorgelegt zu bekommen, der vorsieht, dass man innerhalb einer bestimmten Branche ausschließlich nur für dieses eine Unternehmen arbeiten darf. Besonders scharfsinnige Mitarbeiter in den Einkaufsabteilungen mancher Firmen haben dazu – bar jeder CP-Kenntnis - bereits ganze Listings erstellt. Ich halt das für einen ausgemachten Blödsinn. Woher sollen denn das erwartete Branchen-Knowhow und die darin ausgebildeten Mitarbeiter kommen, wenn nicht aus weiteren Projekten. Erst durch mehrere Kundenbeziehungen innerhalb eines Marktsegmentes ist eine Spezialisierung möglich. Vielleicht sollten wir künftig etwas mehr von unseren Freunden aus der Werbung lernen, die pro Auftraggeber einer Branche spezielle Units gründen. Da wird dann der Kunde A von der Unit 1, der Kunde B von der Unit 2 und der Kunde C von Unit X betreut…..hört sich zwar gut an, ist bei kleineren Agenturen aber kaum zu glauben.

Das vierte P

Das Biltmore-Hotel in Miami ist eine Institution. Seit 1926 beherbergt der mediterrane Bau in Coral Gables Stars und Normalsterbliche, denen der Rummel von Miami Beach auf die Nerven fällt. Kein Wunder, dass sich die Biltmore-Manager auch im Publishing versuchen. Nun ist "The Cellar Club at the Biltmore", so der Name des Hotel-Newsletters, inhaltlich oder gestalterisch wenig herausragend. Designt ist das Ganze wie, nun, wie ein Newsletter eben. Kurze Texte, kleine Bildchen, wenig Struktur. Inhaltlich können wir das Porträt des neuen Starkochs wohl eher unter "Berichtspflicht" fassen als unter subtiles, kluges Themensetting.
Zwei Dinge aber machen The Cellar Club dennoch spannend. Zum einen die Tatsache, dass es sich dabei tatsächlich um eine Begleitpublikation zu einem Club handelt. Das Biltmore möchte durch regelmäßige Events in seinem noblen Clubbereich eine Art Premiumkonzept für Stammgäste schaffen. Dieses begleitet ein Newsteller durchaus intelligent.
Was mir aber vor allem gefallen hat, ist die Art, wie der Newsletter im Hotel präsentiert wird. Er liegt nicht einfach aus, sondern wird auf eigens dafür gestalteten Ständern an zentralen Ecken im Hotel regelrecht inszeniert. Dies macht sofort klar: Hier wird Wertigkeit angeboten. Entsprechend angezogen sind die Besucher von der Publikation. Zugleich präsentiert sich das Blättchen an Orten, an denen die Hotelgäste Zeit zum lesen haben, beim Pool, an den Bars.
Dieses kleine Beispiel verweist auf einen Blank Spot des Corporate Publishing: Eine intelligente Distribution. Den, im Marketingdeutsch, place, das vierte P der magischen vier Marketing-Ps ("place", neben "product", "price" und "promotion"). Das Biltmore-Beispiel zeigt, wie man Corporate Publishing-Produkte inszenieren kann und mus. Es zeigt auch, dass eine kluge Distribution eines Magazins dieses sogar zum integralen Bestandteil des Kernproduktes macht. Das Produkt des Biltmore-Hotel ist anspruchsvoll-genussreiche Zeit für seine Gäste. Dieses Produkt wird durch die Präsenz des Newsletters in der Anlage aufgewertet. Fehlen nur noch wirklich gute Inhalte.

2.01.07

X-mas goes Blog

Zweiter Advent - für die Konsumgüterbranche entscheiden die letzten Wochen des Jahres einmal mehr über Sein und Nichtsein. Die globale Einkaufswelle hat inzwischen auch die Blogosphäre erreicht. Nicht umsonst notiert Technorati.com das Stichwort „shopping“ als einen der Top-Tags. Doch es sind kaum Unternehmen, die via Blogs Einkaufsideen in der Blogosphäre lancieren. Warum? Eine einfache Antwort findet sich in Robert Scoble und Shel Israels Naked Conversations. „Good blogging“ heisst für die beiden Autoren unter anderem „Talk, don’t sell“. Sind Blogs also für ein virales Marketing ungeeignet? Dieser Schluss wäre voreilig. Gesucht sind persönlich und authentisch formulierte Verkaufsbotschaften, die auf das Medium Blog zugeschnitten sind. Dies könnte zu einem Revival der Werbefiguren führen. Günter Kaiser von der Hamburg-Mannheimer - die wohl bekannteste deutsche Werbefigur - könnte so als Blogger auferstehen.

1.01.07

Technorati Profile

Hier schreiben Fachautoren über neue Trends und Entwicklungen des Corporate Publishing auf dem deutschsprachigen Markt.