Leuchtet da was?
"Marken sind Leuchttürme, die müssen gerade bei Nebel brennen." Ein schlauer Satz von Holger Jung, geäußert im Interview mit Spiegel Online. Der Nebel ist für Jung natürlich die momentane Krise. Das Problem aber: Da leuchtet gerade wenig. Zumindest belegt das die "Brand Parity Studie 2009" von BBDO Consulting. Kernaussage: Marken werden immer weniger unterscheidbar. 64 Prozent aller Konsumenten nehmen demnach mittlerweile Marken als austauschbar wahr, zwei Prozentpunkte mehr als bei der letzten Untersuchung.
Die fand 2004 statt. Das heißt: Der Markennebel des Grauens greift gar nicht erst um sich, seit wie momentan Budgets gekürzt werden. Die reflexhafte Argumentation vieler Agenturen "siehste, selbst Schuld, müssen die doofen Unternehmen halt mehr investieren" passt hier nicht. Vielmehr scheint es, als stecke das Prinzip Marke selbst in der Krise.
Wenig überraschend, zeigt die BBDO-Untersuchung, dass relativ wenig differenzierende Produkte auch am wenigsten Markenidentität stiften können. Benzin oder Milch bietet nun einmal wenig Ansatzpunkte zur Markendifferenzierung, trotz so raffinierten Konzepten wie "ingredient branding". Interessant aber, wie die Konsumenten glauben, dass speziell Autohersteller ihre Marken unterscheidbarer machen können: Design halten nur 35 Prozent der für zentral - bei Autoherstellern, wohlgemerkt. Neben individuellerem Service spielt für 73 Prozent der Befragten vor allem eine Rolle, dass sich die Herrscher einer Marke "nach dem Kauf individueller" um den Kunden kümmern als andere Marken. Das ist nun wiederum spannend. Es geht offenbar darum, dass ein Konsument von einer Marke als Individuum wahrgenommen und angesprochen werden möchte - und zwar eben nicht nur unmittelbar vor dem Kauf.
Ein solches individualisierendes Markenerlebnis zu kreieren wäre demnach zentraler Orientierungspunkt für künftige Markenarbeit. Ich will jetzt gar nicht diskutieren, welcher Kommunikationskanal sich dazu eignet - schon weil dies wieder hieße, eine "one size fits all"-Debatte zu führen, die ja offenbar, wie die BBDO-Untersuchung nahelegt, gerade nicht zielführend ist. Jedoch gilt es für alle Markenarbeiter, sich immer wieder kritisch zu hinterfragen: Kreiere ich als Marke echte Kundenindividualität?